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Margot Käßmann – Respekt

Mittwoch, 17. März 2010 21:29

Längst auf dem seeblog überfällig: Respekt vor  Menschen wie Margot Käßmann. Die Bischöfin und Chefin der evangelischen Kirche überfuhr mit 1,54 Promille eine rote Ampel, wobei gottlob niemand zu Schaden kam. Sie reagierte nach Politikermanier und zeigte sich erschrocken über ihren Fehler. Einen Tag später besann sie sich und reagierte angemessen. Das macht kein Politiker, im Gegenteil – aussitzen , lamentieren und wenn gar nichts mehr geht der Rücktritt – aber sehr selten. Es hat mich sehr beeindruckt wie Margot Käßmann ihren Rücktritt erklärt hat und für ihr Handeln die Konsequenzen gezogen hat.

Erinnert sich noch jemand an den CSU-Politiker Otto Wiesheu, der 1093 bei einem Unfall im Suff (1,75 Promille) einen Menschen tötete? Mehr noch: Unter Edmund Stoiber wurde der wegen grob fahrlässiger Tötung rechtskräftig zu zwölf Monaten auf Bewährung und 20.000 DM Geldstrafe Verurteilte bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie. So wird das unter Männern (Politiker) gemacht.

Übrigens ähnlicher Fall in der Zeit von Wiesheu in meiner Heimatstadt. Familienvater, 1,4 Promille und einen unbeleuchteten Fahrradfahrer (auch betrunken) getötet. 2 Jahre ohne Bewährung. Vor dem Gesetz sind alle gleich – dachte ich. Wie es wirklich aussieht, weiss ja jeder.

Da drängt sich aber noch ein anderer Verdacht auf: Männern werden “moralische Verfehlungen” immer noch eher nachgesehen als Frauen. “Geschieden, vorlaut und jetzt fährt sie auch noch besoffen Auto oder liegt es daran das die grössten Idioten meistens auch gerne an ihren Sesseln kleben. Die grössten Moralisten und Gutmenschen sind meistens auch die ausgeprägtesten Egomanen – die leben gerne in Paralleluniversen. Da soll mal einer sagen es gäbe bei uns keine Aliens (siehe Westerwelle).

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Thema: Unsere Gesellschaft | Kommentare (0) | Autor: seeblog

Die Kunst zu leben im NICHTS und wo ist das SELBST?

Sonntag, 14. März 2010 13:27

So genug von der Welt der Gedanken, das Ergebnis sieht man jeden Tag in den Nachrichten. Es sind nur die Symptome. Kreativität ist angesagt im Leben, Wandlung bestimmt das Leben. Entstehen und Vergänglichkeit sind die elementaren Bestandteile des Leben.

Wenn man als Künstler ein Kunstwerk schafft, dann ist dieses Kunstwerk eine Art Momentaufnahme. Alle Kunstwerke sind eine Anderanderreihung von Momentaufnahmen – also der Entwicklungsweg. Wo kann ich das SELBST erkennen? In den vergangenen Kunstwerken? Oder doch im HIER und JETZT – also gerade jetzt wenn ich es male?

Erstmal der biologische Faktor
Der Mensch als biologisches Wesen? Die Biologie ist in gewisser Weise unabhängig von den in Physik und Chemie geltenden Naturgesetzen, da die Besonderheiten der einzelnen Arten nicht aus reproduzierbaren Gesetzen, sondern aus einmaligen historischen Ereignissen heraus entsteht. Deshalb dürfe man in der Biologie nicht von Gesetzen, sondern müsse eher von Konzepten sprechen. Denn zu jeder anderen Zeit herrschen andere Gesetze bzw. Konzepte. Der Mensch als Krone der Schöpfung hat sich schliesslich nicht nach Naturgesetzen entwickelt, sondern aus historisch entwickelten Ereignissen. Das wir heute älter werden als vor 800 Jahren liegt nicht an einem Naturgesetz, sondern an der Entwicklung und Erkenntnissen der Naturforschung und dem technischen Stand dieser Entwicklungen.

Die Entstehung des Lebens
Fest steht, dass diese Entwicklung seit 15 Milliarden Jahren andauert und dass das Universum, die Entstehung des Lebens und letztlich des Menschen Teil dieser langsamen Evolution sind. Von ein und derselben Bewegung ausgehend, reihen sich die einzelnen Etappen aneinander wie die Glieder einer Kette. Der Mensch stammt ebenso von Affen und Bakterien ab wie von Himmelskörpern und Galaxien. Der Anfang war der Urknall, von dem wir so gut wie nichts wissen.

Warum existiert das Universum? Warum ist die Erde so einzigartig und warum leben wir? Nur weil wir da sind und uns diese Fragen stellen zu können?

Wo lebt der Mensch – überall?
Die graue Theorie: Der Mensch lebt im “Hier und Jetzt” und das bedeutet: Das Leben ist immer in der Gegenwart, also “hier” und “jetzt”. Denn die Vergangenheit ist immer schon vorbei, und die Zukunft noch nicht erreicht. Oder in der Sprache des Existentialismus: “Der Mensch versteht sich selber nur im Erleben seiner selbst.” Das “Sein”, also das was ist und das was ich bin, ist nur verstehbar durch das Gewahrwerden vom gegenwärtigen Ort und der gegenwärtigen Zeit. Diese Inhalte und die daraus für das Leben und den persönlichen Entwicklungsprozess entstehenden Konsequenzen werden im Begriff “Hier und Jetzt” verdichtet.

Tatsächlich lebt der Mensch selten im “Hier und Jetzt”. Dank seines Verstandes lebt er entweder in der Zukunft oder in seiner konditionierten Vergangenheit, die wiederum transportieren seine Ängste in die Zukunft. Das aberwitzige dabei ist, dass der Mensch aufgrund seines Verstandes meint es wäre das “Selbst”. Der Verstand ist aber nur das Werkzeug, somit bestimmt der Mensch sein Werkzeug als sein ICH, das SELBST, den EGO.

Viele suchen ihr Heil in den östlichen Philosophien. Im Tantra ist “Hier und Jetzt” im Sinne von “permanentes Gewahrsein” ein zentrales Element und im Buddhismus ist “Hier und Jetzt” Bestandteil der Achtsamkeit (Achtfacher Pfad). Darüber kann man auch viel nachdenken, bringt aber rein überhaupt nicht`s – ausser man ist genau da wo man ist – in der LEERE.
Wenn ich in der heutigen Zeit über Power-Entspannung, Power-weissderteufelsonstnochwas sinniere und beschäftige, dann bin nur in der oberflächlichen Welt und weit davon entfernt zu dem zu werden was ich werden will. Der Schnellkurs zum höheren Bewusstsein ist erstmal der konträre Weg und doch geht es womöglich damit schneller zur Erkenntnis. Paradoxien sind nicht ausgeschlossen.

Der Mensch sucht sich, aber wo?
Interessanterweise sucht der Mensch sein ICH, seine Bestimmung überall, aber nie dort wo er gerade im “Hier und Jetzt” ist. Man kann sein ganzes Leben lang sich suchen und es nie finden, wie auch. Das SEIN ist nie in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft. Man kann ewig darüber nachdenken und genau das ist das Paradoxe. Wenn ich denke bin ich nicht!

Der Mensch liebt nicht die LEERE und STILLE, er fürchtet sich davor. Deshalb muss er immer in Bewegung bleiben, seinen analytischen Verstand benutzen, sich mit Problemen beschäftigen die sein Verstand verursacht hat und die wiederum mit dem Verstand gelöst werden. Wie gesagt, man ist überall nur nicht da wo man sich befindet. Denn nur wer denkt, IST. Frei nach Cogito ergo sum (lat.: „Ich denke, also bin ich“) der Grundsatz des Philosophen René Descartes. Laut Jaakko Hintikka ist das „Cogito ergo sum“ kein logischer Schluss, sondern die Vermeidung eines performativen Widerspruchs. D. h., wenn ich versuche meine Nichtexistenz anzunehmen, muss ich unweigerlich meine Existenz anerkennen. Auch ziemlich tricky.

Unser Verstand nichts als eine gewaltige Hochleistungs-Etikettiermaschine mit Bewertungsmuster, konditionierten Vergangenheitsschemas und grossen Realitätsmusterkoffer.

Deshalb – darüber nachzudenken wird zu keinem Ergebnis führen, denn das Nachdenken entfernt mich zu der Erkenntnis was die LEERE, STILLE (das Nichtdenken), das SEIN im “HIER und JETZT” ist.

Warum gibt es Reinkarnation, das Leben nach dem Tod?
Weil der Mensch ohne sein EGO ein ganz armer Mensch ist. Deshalb braucht er die Philosophie, den Glauben um sein EGO und SEIN zu gerechtfertigten. Witzigerweise reinkarniert der Mensch täglich im seinem Leben – so gesehen stetig. Oder schleppt irgendein Karma mit sich herum, das er im jetzigen Leben auflösen muss. Die Katholiken haben es da besonders schwer. ES sind nur Gedankengebilde, die durch das Denken zur Realität werden. So so entsteht dann die Hölle, leider nur direkt auf dem Planeten wo ich mich gerade befinde und sonst nirgendwo. Deshalb gibt es für den Menschen auch Gott, der Mensch braucht immer die Absolution für sein “Dasein”. Keiner findet es gut, das wir das Produkt aller Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sind. Es ist der Zufall und die Bestimmung gleichzeitig.

Der EGO braucht ein weiterleben nach dem Tod, nichts ist unerträglicher für das EGO als das NICHTS. Deshalb klammern sich alle, was nach dem Tod noch sein könnte, an die Hoffnung auf das Paradies oder sonstigen Gedankenmüll. Ich muss euch enttäuschen – das EGO und SELBST zerstört sich selbst und was danach kommt ist grossartiger als alle EGO`s der Welt. Es ist alles und nichts. Es ist der Inbegriff aller Möglichkeiten, aller Neuanfänge, aller Realitäten und trotzdem ist es das NICHTS! Punkt. Das ist das grossartigste was wir haben – das NICHTS aus dem etwas neues entstehen kann.

Nochmals: Die Gedanken schaffen unsere irrsinnige Realität die wir täglich auf dem Planeten Erde erleben. Das NICHTS, die STILLE schafft die gesamte Realität auf einem Punkt ohne Bewertung. Wenn wir wirklich etwas zum Guten verändern wollen müssen wir das anerkennen und stellen aber gleichzeitig fest – das Gute gibt es überhaupt nicht. Denn schaffen wir es, so schaffen wir auch das Gegenteil.

So mal nachdenken …
Genau richtig, denken wir doch mal über das geschriebene nach und man wird nicht auf den Punkt kommen. Macht aber nichts, denn die LEERE kommt ja sowieso. Machen wir doch mit unseren Gedanken, unseren Verstand so weiter wie bisher – leben wir den gedanklichen Irrsinn aus.

Was kann man tun?
Erkenne deine Gedankenmaschine, beobachte sie und du wirst erstaunt sein wieviel Müllgedanken herumschwirren. Sei im HIER und JETZT, in der STILLE, in der LEERE und den Rest verstehst du von selbst. Ach ja, und lache.

P.S. Der Verstand braucht unser Bewusstsein als Energie. Zieht diese Energie doch einfach mal ab.

P.S.S. Nicht das der Eindruck entsteht, ich lebe im absoluten “Hier und Jetzt”, ab und zu steige ich komplett aus. Das gehört auch zum Leben, hauptsache man kommt wieder zurück – dann ist es wieder sehr humorvoll (natürlich nur Rückblickend). So bleibt das Leben sehr spannend.

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Thema: K U N S T, Philosophische Betrachtungen | Kommentare (4) | Autor: seeblog

Kunstwerk Gateway – Lost and not found

Samstag, 13. März 2010 17:17

(Michael Prax) Beim stöbern in alten Grossformatdias kam mir dieses Bild unter die Finger/Augen. Dieses Bild – GATEWAY, Öl / Acrylpigmentfarbe / Polychromos auf Leinwand, 03 / 95, 90 x 120 cm bekam ich nie von der Galerie CAMUE in Mannheim zurück. Das war ein ziemliches Theater mit dieser Galerie,  1997 – also schon etwas länger her.

Das Bild hat die Werkverzeichnisnummer 319 und ist hinten mit WVZ 319, Titel etz. signiert. Würde mich mal interessieren wo diese Kunstwerk abgeblieben ist. Wer hat es gesehen?

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Thema: K U N S T | Kommentare (0) | Autor: seeblog

Untersee 07.03.2010 (Mannenbach)

Sonntag, 7. März 2010 13:55

Mal etwas angenehmeres als die Wirtschaftslage, ein Foto vom heutigen Tag. Es ist eine kräftige Bise (Ostwind), es ist ziemlich frisch, aber wunderschöne Farben.

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Thema: Seeblog, Seefotos | Kommentare (0) | Autor: seeblog

Riskmanagement im Factoring und die Wirtschaftsblase

Sonntag, 7. März 2010 9:32

Die Finanzblase und die Auswüchse, aktuell ist aber die Wirtschaftsblase. Factoring hat sich als alternative Finanzierungsform etabliert – da die Banken den Geldhahn zugedreht haben und lieber an der neuen Spekulationblase bauen. Wie im vorherigen Artikel beschrieben über die neuen Finanzblasen, bleibt auch die Factoringbranche nicht verschont. Besonders die mittelgrossen Firmen versuchen, sich mit Factoring über Wasser zu halten, also Forderungen gegenüber Kunden abzutreten. Aber die Rückversicherer versichern ja nicht gegen Betrug und somit haben die Firmen die Fullfactoring oder selektiertes Factoring betreiben meist das nachsehen. Wie heisst es so schön: Die Auslagerung des Debitorenmanagements ermöglicht mehr Freiraum für unternehmerische Aktivitäten und eben auch mehr Möglichkeiten für Betrug.

Besonders die Firmen mit Liquiditätsproblemen die auf Factoring angewiesen sind werden immer erfinderischer. Das beginnt mit gefälschten Lieferscheinen, Verträgen, Forderungen und beschönigten Bilanzen – also alles sehr perfekt aufgebaut – die elektronische Datenverarbeitung machst möglich.

Wie betrügt man eine Factoringgesellschaft?
Wer denkt dies wäre einfach zu durchschauen irrt sich gewaltig, sogar die Telefonnummern der bestätigten Lieferscheine werden so perfekt verschleiert, das bei einem Kontrollanruf des Schuldners ob die Ware geliefert wurde auf die Nummer des Lieferanten (der Betrüger selbst) umgeleitet wird. Der meldet sich dann als Lieferant, er hat ja die weitergeleitete Telefonnummer auf dem Display und bestätigt den ordnungsgemässen Eingang der Lieferung. Hier geht es nicht um Kleinbeträge, sondern Rechnungen im sechsstelligen bzw. siebenstelligen Bereich. Da die Zahlungsziele mittlerweile zwischen 60 bis 120 Tage liegen, versuchen die Firmen in diesem Zeitraum ihre Zahlungsunfähigkeit zu überbrücken – meist endet dies in der Insolvenz. Somit fliesst auch der vorgestreckte Finanzierung in die Insolvenz – wohl dem der bei diesem Spiel das nötige Glück hat und sozusagen die “Rechnung” aufgeht. Dann ist ja alles in Ordnung – der Betrug fällt nicht auf, den der Schuldner hat aus versehen ihm den Betrag überwiesen, dieser wird dann dem Factorer überwiesen. Aber setzt sich derjenige mit dem ganzen eingesammelten Geld in das Ausland ab, dann ist es weg. Dieses Spiel wird meist parallel mit mehreren Factoringunternehmen gestartet – somit entstehen Ausfälle in mehrstelligen Millionenbeträgen. Das ist dann der geplante Betrug.

Kein Factorer gibt das zu wie heikel mittlerweile die Lage ist. Besonders kleine Factorer kommen in`s Schleudern – denn auch hier droht dann Insolvenz, aber auch grosse Banken sind betroffen.

Beispiel:
Henkel-Mitarbeiter solenl durch falsche Rechnungen 45 Millionen Euro von Factoringesellschaften eingesammelt haben, so genannte Scheinrechnungen auf gestohlenem Henkel-Briefpapier erstellt haben und als echte Forderungen verkauft haben. Hierdurch hätten die Factoringgeschaften einen Schaden erlitten – sie haben praktisch Luft gekauft.

Beim Plüschtier-Hersteller Nici aus Altenkunstadt in Nordbayern, der Insolvenz anmeldete, ist seit Jahren in großem Stil kriminell gewirtschaftet worden. Nach ersten Erkenntnissen der Strafverfolger hat Pfaff seit dem Jahr 2000 mindestens 40,5 Millionen Euro für Nici ergaunert, indem er Geschäfte mit Grossabnehmern vortäuschte. Pfaff veräusserte Scheinrechnungen für die nur auf dem Papier ausgelieferte Nici-Ware an Factoring-Gesellschaften, die sich vornehmlich im Besitz von Banken befinden.

Und die Schuldner?
Auf der anderen Seite sind immer mehr Schuldner absolut zahlungsunfähig, diese Zahlungsausfälle sind zwar durch die Rückversicherer gedeckt – doch auch die Rückversicherer ziehen sich immer mehr aus diesem mittlerweile gefährlichen Geschäft zurück oder verlangen hohe Prämien.

Erschreckend wenn man die Zahlen der Bilanzen von KMU oder auch Grossbetrieben sieht, hier wird getrickst was das Zeug hält. Ein eher witziger Fall ist, wenn ein Betrieb seine Firmendomain auf 800.000 CHF bewertet – natürlich unauffällig in der Bilanz verankert, so das es auf dem ersten Blick nicht auffällt, ansonsten wäre der Geschäftsabschluss nicht gerade noch eine kleine schwarze Zahl gewesen. Die Grossbanken machen es nicht anders, nur mit staatlichen Segen. So werden Swaps (Ein Credit Default Swap (CDS) ist ein Kreditderivat zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten, Anleihen oder Schuldnernamen) zu Kursen bewertet die absolut unrealistisch sind um die Bilanz zu beschönigen – tatsächlich sind die so bewerteten CDS keine Milliarden wert, sondern besitzen nur noch den Papierwert.

Auch die staatlichen Zuschüsse erzeugen Blasen: Solon der Hersteller von Solarmodulen ist 2009 infolge des Preisverfalls in der Branche und der Finanzkrise tief in die Verlustzone gerutscht. Besonders stark getroffen wurde Solon zudem vom Markteinbruch in Spanien infolge der Kappung der staatlichen Solarförderung.

20 – 35% der Unternehmen schrammen knapp an der Insolvenz entlang, zumindest sagen das die (internen) Bilanzen aus. Keine Firma gibt zu, dass es ihr wirtschaftlich nicht gut geht, ansonsten würde man ja zukünftige Geschäfte in Frage stellen. Deshalb heisst die Devise, wir haben volle Auftragsbücher. Ich spreche hier hauptsächlich vom Mittelstand in Deutschland und der Schweiz.

Schweiz: Im Januar 2010 wurde über insgesamt 481 im Handelsregister eingetragene Firmen der Konkurs eröffnet. Das entspricht einer Zunahme von 38% gegenüber dem Januar 2009.
Deutschland: Im Jahr 2009 stieg die Anzahl der Unternehmen, die Insolvenz anmelden mussten, um elf Prozent an. Damit bestätigte sich die Prognose der Hamburger Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL für 2009. Auch für 2010 wird eine deutliche Zunahme der Insolvenzzahlen prognostiziert.

Künstliche Blasen überall, gezielte PR-Kampagnen um die Firma gut aussehen zu lassen, vollmundige Versprechen über Grossaufträge und die Hoffnung die dürren Zeiten irgendwie zu überbrücken. Da der Mensch meist dem geschrieben oder den Versprechen glaubt und definitiv nicht den gesunden Menschenverstand einschaltet, kann man davon ausgehen es kommt noch eine gewaltige Insolvenzwelle auf uns zu. Ich behaupte der Dominoeffekt der dadurch entsteht, lässt die vorherige Finanzkrise eher lächerlich erscheinen.

Und zum guten Schluss – Riskmanagement in der heutigen Zeit, wo auch noch Personal gespart wird und der Betrüger äusserst erfinderisch ist, der Rechtsweg unendlich lange dauert hinkt immer den Ereignissen hinterher. Zeit ist Geld, eines der geflügelten und wohl dümmsten Spruch der Menschheit birgt gewaltige Risiken.

Kunstprojekt “Wirtschaft”
So gesehen, erscheint mir das ganze Wirtsschaftsystem mit ihren Akteuren als grosses Kunstprojekt. Man hat mit vielen kreativen Menschen zu tun, ok – sie haben alle einen Anzug an, sind schicker gekleidet als die meisten Künstler – aber das ist nunmal die Berufskleidung. Sind sehr gute Rethoriker, können sich bestens verkaufen (sind ja auch gute Verkäufer ) und haben grosse Visionen (Profit). Die meisten Künstler haben nur Visionen (Nonprofit). Sie schaffen durch ihre Phantasie eine Art Schatten-Realität in der sie eine Zeitlang leben und mehr oder weniger verdienen können, hinterher kommt die andere Realität – die harte Realität. Ähnlich wie die Wirtschaft zur Zeit.

Alle machen mit. Die Vision “Luft”  erscheint real wenn sie gut verkauft wird, Marketing-  und Werbetechnisch gut ausstaffiert, hohe Renditen verspricht und schon schaffen wir eine neue Realität. Nicht das es verwerflich wäre, so tickt nunmal die Welt. Wir sind alle dabei, die Mitarbeiter und Angestellten. Unbewusst und immer an das Gute glaubend. Die Masse braucht den Arbeitsplatz. Ein Teufelskreis.

Besonders bei den wirtschaftlichen Berechnungen oder Finanzplanungen zukünftiger Entwicklungen (neues Bilanzjahr, Budgetierung, …) kann man sehr kreativ sein. Denn Wachstumskurven zeigen ausschliesslich nach oben, wie sollte es auch sein – wir reden nunmal vom Wachstum, ja sogar vom unbegrenzten Wachstum. Wenn man Zukunftsprognosen aufstellt, die schon rein vom gesunden Menschenverstand als falsch erkannt werden, dieses Wachstum nie eintreffen wird – dann wird in der Zukunft genau diese falsche Berechnung Grundlage für alle weiteren Berechnungen sein – eigentlich der absulute Irrsinn. So läuft es in unserer Wirtschaft – zur Zeit eben einiges extremer, da wir uns ja auch in einer extremen Zeit befinden. Hat man “Schwein gehabt” schafft man die wirtschaftliche Talsohle, ansonsten knallt man gegen die Wand. Es lebe die Blase!

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Thema: Finanzkrise | Kommentare (3) | Autor: seeblog

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