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Für die Documenta gab es Vorschusslorbeeren ohne Ende. Jede Menge so-genannter Kritiker, die alles inhalierten, was Documenta-Leiter Roger M. Buergel aushaucht, zu seinen Vorträgen ehrfurchtsvoll ankrochen und seine Worthülsen empfingen wie Moses die zehn Gebote. Ein paar Infos ausgespuckt und alles wird dann hochstilisiert durch die Medien zum absoluten Kunstereignis. Eunuchen an die Macht, den sie wissen wie es geht! Die Realität ist dafür umso nüchterner. Was wie durchdachte geistige Kunstspielerei aussah, entpuppte sich als leeres Kunstgebäude inhaltlich gefüllt mit tiefster Hohlheit.

Mittlerweile habe ich einige Dokumentationen über die Documenta in Kassel gesehen. Die Aussagen der Künstler haben mich, gelinde gesagt unangenehm überrascht. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass Banalitäten immer mehr zu Ruhm kommen. Wie die zwei Chinesen, die ein Schild hochhalten mit einem Spruch wie „Deutschland ist kein schönes Land“.

Oder die documenta-Künstlerin Lotty Rosenfeld ist «entsetzt» über die Zerstörung eines ihrer Kunstwerke. «Ich bin persönlich wirklich verletzt. Es ist ein Akt der Gewalt und ich fühle mich missachtet». Einen Tag zuvor waren die weissen Aufkleber, mit der sie Fahrbahnmarkierungen in Kreuze verwandelt hatte, von der Kasseler Stadtreinigung entfernt worden. Aber vielleicht hätte es ohne Stadtreinigung keiner mitbekommen, gut das sie so gründlich waren – jetzt kann man sich wenigsten ins Rampenlicht bringen und den berühmten moralischen Zeigefinger hochhalten – „ein Kunstwerk wurde zerstört“.

Deshalb hatte ich auch eine Zeitlang das Problem mich als Künstler zu bezeichen. Denn wer nicht in die Psychiatrische Anstalt eingeliefert werden möchte, muss betonen das er Künstler ist. Dann kann man auch bedenkenlos mit seinen Exkrementen malen und oder wie der chilenische Künstler Marco Evaristti, Fleischbällchen im abgesaugten Körperfett anbraten und einen Bericht in der NZZ bekommen.
Die Künstler waren schon immer Vorreiter unserer Gesellschaft und ich merke mit erschrecken das dies stimmt. Mittlerweile interessiert mich der Kunstmarkt, die Künstler, die Gesellschaft – deren Verknüpfung mit der Welt und dessen Eigendynamik mehr als die Malerei. Ich habe immer mehr Lust über die Künstler Kunst zu machen, denn der Künstler jenseits von selbstkritischen Grenzen sind heute das Kunstwerk mit dem man sich auseinandersetzen muss.

Ist das nicht alles bedenklich? Oder ist das der fortgeschrittene Weg einer Gesellschaft in die Dekadenz und der Untergang der Hochkultur. Andere sind ja auch ausgestorben, ich denke nicht, das man das der Kunst alleine ankreiden kann. Fehlt mittlerweile sogar der kleinste Funken Selbstkritik? Die Kunst hat es vor Jahren aufgezeigt und heute zeigen uns die Manager und Politiker wohin der Weg ohne Selbstkritik führt. Doch die Kunst ist schon wieder ein Stück voraus.

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Als Gegenprojekt habe ich die Documenta XIII in Mannenbach ins Leben gerufen. Zu sehen unter: www.euregio-bodensee.ch/news/documenta-xiii-mannenbach.html.

Das ist der Vortest für die grosse Documenta – das nächstes Mal sollte man die gesamte Schweiz als Kunstprojekt einbeziehen. Bitte nicht falsch verstehen, Kunst ist ja mittlerweile überall und da die Schweiz noch Grenzen besitzt kann man dort das Kassenhäuschen einrichten – fürs banale Eintrittsgeld.

Documenta XII kontra Documenta XIII
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3 Gedanken zu „Documenta XII kontra Documenta XIII

  • Hallo kann man sich für die Documenta XIII in Mannenbach bewerben. Hat der Sturm bei Ihnen auch einen Schaden angerichtet wie in Kassel?

  • Die Documenta in Mannenbach ist eindrucksvoll, da kann Kassel einpacken! Ihre Aktionskunst im See ist sogar für einen Normalbürger nachvollziehbar. ;-)

    Hans

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