lichtschalter.jpgDas Co2 Thema und seine interessanten Aktionen. Heute knipsen vielleicht viele Bürger, sogar manche Firmen ihr Licht aus. Da wir keine dynamischen Stromnetze besitzen, könnte es im besten Falle ein kompletter Stromausfall werden. Die Stromerzeuger haben alle Vorkehrungen getroffen um einen Netzzusammenbruch zu verhindern.

Klimabilanz?
Die Kraftwerke seien vorbereitet, die Produktion bei geringerer Stromnachfrage herunterzufahren. Da frage ich mich, wenn ich ein Kraftwerk spontan runterfahre und dann wieder schnell hochfahren muss, wie schaut so etwas in der CO2 Bilanz aus. Jeder weiss das bei einem Kavaliersstart mehr Energie verbrauche, als wenn ich diesen Vorgang langsam von statten gehe lasse. (9.12.07: Hier habe ich nicht genau recherchiert, der Überschuss wird anderweitig verwendet, z. B. um Wasser in die Stauseen zu pumpen)

Europa kann das CO2-Problem nicht wegsparen – und Deutschland alleine schon gar nicht. Anstatt das Licht auszumachen, sollte uns allmählich eines aufgehen. Eine effektive Energie- und Klimapolitik besteht nicht nur im Abschalten, sondern vor allem darin, durchdachte Energiemodelle zu entwickeln und vor allem die zukünftige CO2 Bilanz zu berücksichtigen.

Der Hauptgrund solcher Aktionen ist meist nichts anderes als Werbung und ein gutes Image für die Firmen. Die Masse macht brav mit, hat dann seinen Teil zum Klimaschutz beigetragen und macht weiter wie bisher. Oder verzichtet danach jemand auf seinen Billigflug innerhalb von Deutschland für 15 Euro?

Der Wunsch, ein Zeichen zu setzen, übersteigt offensichtlich das Bedürfnis, vernünftige Lösungen zu finden. Was kommt als nächstes, beten gegen CO2, Lichterketten (natürlich mit Kerzen) gegen CO2 oder neue AKW`s?

Man kann nur hoffen, das die 5 Minuten Dunkelheit nicht genutzt werden, um die Weltbevölkerung ansteigen zu lassen.

Nachtrag: Wie soll es mit den alternativen Energiequellen zukünftig funktionieren, die bekanntermassen in der Energieerzeugung sehr schwanken. Primär müssten wir unsere Stromnetze erst auf einen technisch neuen Stand bringen. Dynamische Stromnetze die nicht zusammenfallen, weil Erzeugung und Verbrauch im jetzigen Stromnetz permanent im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Aber da tun sich die Energiegiganten sehr schwer, das kostet nämlich Geld und die Emission-Zertifikate sind da viel günstiger. Klimaschutz ja – aber nur wenn es kein Kapital kostet.

Und noch einen schönen Gruss an den Umweltminister Sigmar Gabriel, der meint, das 20% Biosprit den CO2-Ausstoss reduziert. Leider ist bei der Rechnung einiges unterschlagen worden oder einfach nur falsch gerechnet geworden. Vielleicht schafft er es noch in seiner restlichen Amtszeit eine vernünftige Umweltpolitik zu machen und vor allem richtig zu rechnen! Vermutlich hat er die Rechenkünste bei einem Automobilhersteller erlernt, er war ja Aufsichtsrat von VW. Mehr über Biodiesel bei Wikipedia.

Nachtrag 09.12.07: Dazu ein paar Zahlen

Fast 1,5 der insgesamt 12 Millionen Hektar Ackerfläche werden zurzeit in Deutschland mit Energiepflanzen bebaut; auf zwei Drittel dieser Fläche wächst Raps. Der Raps-Boom hat Grenzen wegen der beschränkten Ackerflächen.

Zu seiner Produktion werden massenhaft fossile Energieträger eingesetzt; Rapsfelder werden intensiv mit Stickstoff gedüngt, was Lachgas (N2O) in die Atmosphäre freisetzt. Lachgas „ist ein sehr starkes Klimagas mit etwa 300-mal größerer Klimawirksamkeit als CO2“. Der Klimaschutzeffekt von Biodiesel ist deshalb wohl nur gering.

Bioethanol
Der Alkohol-Sprit kann aus Zuckerrüben, Kartoffeln oder Getreide hergestellt werden, auch Holzabfälle kann man zur Produktion verwenden. Hauptproblem auch hier: Für Anbau und Transport der agrarischen Grundstoffe des Biosprits muss soviel fossiler Brennstoff eingesetzt werden, dass insgesamt kaum CO2-Einsparungen erreicht werden.

Biomasse-Import
In Asien gehen schon jetzt jedes Jahr durch die Anlage von Palmöl-Plantagen mehr als eine halbe Million Hektar Regenwald verloren. Fatal, denn Regenwald gehört zu den wichtigsten CO2-Speichern auf der Erde. Mögliches Resultat des europäischen Biosprit-Hungers: Jedes Prozent Palmöl-Sprit im Tank reduziert zwar den CO2-Ausstoß von Pkw hierzulande, heizt aber gleichzeitig den Treibhausgas-Ausstoß auf der anderen Seite des Planeten weiter an.

Interessante Seiten zum Thema:
Energieerzeugung aus Lebensmitteln ein Skandal
Biosprit zerstört Regenwald
Mit Pflanzen Kohlendioxid einsparen

Letzte Frage: Würden die Deutschen für ein Tempolimit, das CO2 spart, für 5 Minuten das Licht ausmachen oder gäbe es eher Demonstrationen gegen ein Tempolimit?

Licht aus – eventuell hinterher Zappenduster?
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27 Gedanken zu „Licht aus – eventuell hinterher Zappenduster?

  • Wenn man bedenkt wieviel Energie die Vorbereitung der Aktion verschlang, dann ist der Nutzen sehr gering. Aber das kann man erst in den nächsten 6 Monaten sehen.

  • …hoppala, meine trackbacks funktionieren endlich! *proud!*

    ich denke die nachhaltigkeit ist mit dem tausch von gluehbirnen gegen CFLs und der netzweiten diskussion, dafuer oder dawider, erreicht worden. uebrigens wird dank dem erfolg schon ueberlegt die sache nochmals zu lancieren… ;-)

  • @Marlis
    Nein! Es hies ja Licht aus! und nicht Lichtkunst aus. Mich tangieren solche Aktionen nur leicht.

    Davon abgesehen ist die Elektronik des Mannenbachobjekts nach dem letzten Sturm ausgestiegen – deshalb war es zufällig aus.

  • Pingback: @ knowLED.blog ®
  • Die Bilanz mit der „Licht aus Aktion“ war wohl für die Veranstalter nicht so befriedigend. Umso lauter werden sie tönen, das es nur eine symbolische Aktion war. Mal sehen wie lange die Symbolik im den Köpfen bleibt.

  • Die letzte Frage sagt wohl alles aus. Den Lichtschalter zu bedienen ist einfacher als den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. :-(

  • @michael:

    so wird es kommen, das Vergessen setzt schnell ein. Bis zum nächsten Event. Bei uns in Konstanz war es ziemlich hell.

  • Ich finde die ganze Aktion ziemlich „PR“ behaftet und kann nicht verstehen, wieso so viele darauf reinfallen. Wir müssen alle anfangen, umzudenken und im Alltag einfach besser auf viele Dinge acht zu geben. Leider ist der Grossteil der Bevölkerung da nicht bereit zu…

  • …ich bin eh nicht zuhause *PCoff* und schau mir das ganze aus der hoehe an. am sichersten *worstcase* waere bestimmt, alle stecker zu ziehen und zwar nicht erst um 20uhr, einstecken erst wieder zum primetime movie um 20uhr15, wenn mensch sich nicht ein alternativprogramm zurecht geschustert hat. *ego,flascheweininderhoehmitgesellschaft*

  • … wenn ich es richtig verstanden habe, je mehr mitmachen, desto eher der Kollaps des Stromnetzes. Vielleicht wird es ja zur Lawine, da man nicht weiss was passiert, fährt man am besten die Computer auch noch alle runter …

  • Pingback: Licht aus!
  • @hoewe

    … das mit der überschüssigen Energie, Wasser in den Stauseen gepumpt werden, um einen Spannungsabfall vorzubeugen – ist eine gute Idee. Habe ich nicht berücksichtigt. Aber man lernt immer dazu.

  • …ich werde mich ‚tuerlich auch beteiligen! das dingens mit dem hoch- und runterfahren darf glaube ich ausser acht gelassen werden, die Ewerke seien ja vorbereitet!!? ich denke nicht, dass sie fuer 5 minuten ein kraftwerk ausschalten werden, die „ueberschuessige“ energie kann dazu verwendet werden, wasser in stauseen hochzupumpen oder wasserstoff herzustellen.

    auch das wiedereinschalten sollte bei ohm’schen verbrauchern kein problem darstellen, schwieriger wirds bei motoren und kapazitaeten *FL,CFL!*, aber da haben ja die offiziellen, staatlich mitwirkenden *oeffentlicheanstrahlungen* die chance diese halt erst ein oder zwei minuten nach 5ab8 wieder einzuschalten und so die last einwenig zu verteilen.

    bei einem GAU gaebs zwei szenarien;
    – es haben sich zuviele beteiligt und wir erzielten weit mehr als 4-5% einsparungen mit licht
    – oder aber die EWs „streiken“ *istjagerademode* und lassen den GAU zu, um uns* einen schuss vor den bug setzen und schieben es auf die achso boesen *juenger der neuen weltreligion klimawandel ab

    ich bin gespannt…

    @klaus
    die idee kommt nicht von BILD, aber es ist ein medium unter vielen, die die aktion verbreiteten, und es hat im uebrigen funktioniert, es berichten nicht nur die initiatoren davon. urspruenglich kommen all diese aktionen wohl aus frankreich *1.2.07* 1% Stromschwankung. in australien hiess es dann earth hour und es konnte innert einer stunde 10.2% eingespart werden. die amis folgen naechstes jahr mit ihrem lights out amerika…

  • Pingback: Luckilucki
  • Hallo Eugen,

    wäre doch witzig wenn in Deutschland das Stromnetz zusammenbricht und ganz Europa mitreissen würde. Dann wäre es ziemlich dunkel.

    Danke für den Tip.

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