Stellensuche – total frustriert, nur Absagen?

Keine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten? Absagen ohne Ende? Für die ausgeschriebene Position sind Sie fachlich geeignet. Dennoch kommen Sie nicht in die engere Wahl. Entweder Sie wurden gar nicht persönlich in Augenschein genommen oder nach dem Bewerbungsgespräch folgte eine knappe Absage. Klar kommt nach der hundertsten Absage das Gefühl auf, man hat versagt und die Resignation macht sich breit.

Doch in der heutigen Zeit erscheint oftmals die Stellenanzeige aus einem anderen Grund. Das Unternehmen sucht überhaupt nicht nach einem neuen  Mitarbeiter – es ist nur eine Strategie des Überlebens. Denn viele Betriebe stecken in der Kreditklemme oder gar knapp vor einer Insolvenz. Seit 2008 nehmen die Insolvenzen rapide zu, 2010/2011 wird sie vermutlich den Höhepunkt erreichen – wenn nicht noch ein Finanzdesaster dazwischen kommt.

Der andere Aspekt sind die Arbeitsvermittler, diese machen es in der gleichen Art wie die Firmen. Denn es gibt mehr Arbeitssuchende als Stellenanzeigen. Oftmals werden alte Anzeigen einfach einen Monat wieder ausgeschalten, teils ohne Rücksprache mit den Unternehmen. So geschehen mit einer Stellenanzeige, wo ich mich selbst (direkt beim Unternehmen) beworben habe und ich die Stelle auch bekommen habe, Wochen später fand ich bei 3 verschieden Arbeitsvermittlern (Headhunter) die gleiche Anzeige wieder, als Vakant gemeldet.

Die Taktik oder Marketingstrategie – so tun, als läuft es prima. Pressemitteilungen werden lanciert, um von vollen Auftragsbüchern zu berichten, Stellenanzeigen werden geschaltet, neue positive Informationen werden auf die Webseite gestellt, um den Eindruck eines gesunden, wachsenden Unternehmens zu vermitteln. Das hat auch seinen guten Grund, denn die meisten Unternehmen brauchen Liquidität und um diese zu bekommen, wird ein gesunder Betrieb nach aussen vermittelt. Dies ist auch notwendig, denn viele warten auf den irgendwann passierenden Aufschwung und versuchen jetzt in der Talsohle zu überleben.

Auf diese Taktik habe ich schon beim Bericht „Riskmanagement im Factoring und die Wirtschaftsblase“ hingewiesen.

Würden Sie einem Unternehmen, um das es nicht gut bestellt ist, die nötige Liquidität geben? Vermutlich nicht. Es lässt sich daher leichter das nötige Kapital beschaffen, wenn man ein anderes, positives Bild vorgaukelt. Man hat es ja bei den Banken gelernt. Das gleiche Prinzip auf dem Arbeitsmarkt – würden Sie bei einem Unternehmen arbeiten, das in einigen Monaten eventuell gegen die Wand fährt?

Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt gibt es jede Menge dieser Stellen-Placebos.

Wenn man langfristig den Arbeitsmarkt beobachtet, stellt man fest, dass ein Teil dieser Unternehmen ihre Stellenanzeigen alle 2 bis 3 Monate neu ausschreiben. Augenfällig auch die Anforderungen an den potentiellen Bewerber – die Stellenprofile scheinen oftmals unerfüllbar. Hat man die Möglichkeit, hinter die Kulissen solcher Unternehmen zu blicken, stellt man schnell eine Diskrepanz zwischen Stellenangebot und wirtschaftlicher Realität fest. Das Unternehmen muss nach aussen einen positiven Eindruck, Stabilität und Wachstum erwecken – das geschieht auch mithilfe des Arbeitsmarktes. Diese Strategie ist in unserer Gesellschaft äusserst wichtig und die Unternehmen in Schwierigkeiten haben keine andere Wahl.

Beispiel der Komplexität: – Unternehmen A bekommt einen Grossauftrag für ein neues Produkt von Unternehmen B. Das zu erwartende Geschäft benötigt 30 neue Mitarbeiter, diese Struktur muss vor dem Auftrag geschaffen werden. Also werden die Stellenanzeigen geschaltet. Inzwischen geht aber Unternehmen B in den Konkurs, weil Unternehmen C – der Abnehmer – auch Zahlungsschwierigkeiten und einen enormen Umsatzrückgang hat.

Nun versucht Unternehmen A, das nun selbst knapp vor der Insolvenz steht, so zu tun, als wäre alles bestens. Das Unternehmen lässt die Stellenanzeigen schalten und macht sich auf die Suche nach einem neuen Grossauftrag.

Den Rest kann sich ja jeder denken. Aber nicht die Unternehmen sind verantwortlich an der Lage, in der sie sich gerade befinden. Es sind die Verursacher der Finanzkrise – die Banken. Diese bekamen zusätzlich billiges Geld von den Notenbanken oder vom Staat und haben diese Liquidität nicht an die Unternehmen weitergegeben. Im Gegenteil, sie haben den Unternehmen sogar den Geldhahn zugedreht und mit diesem Geld die neue Blase aufgebaut. Das nennt man dann Kreditklemme.

Deshalb an alle Stellensuchende: Lasst Euch nicht frustrieren, Ihr seid nur ein Spielball der Marketingstrategien und Scheinwelt. Die wirtschaftliche Blase? – mit viel Glück schrumpft sie beim nächsten wirtschaftlichen Aufschwung von selbst wieder. Der Grossteil der Stellenangebote stammt von soliden und guten Unternehmen – leider lässt sich nicht so leicht feststellen, welche Unternehmen ihre Stellenangebote wirklich ernst meinen und welche nicht. Risiko gibt es überall.

[Update Oktober 2013]
Es hat sich seitdem auf dem Arbeitsmarkt absolut nichts verändert im Gegenteil, Placebostellenanzeigen haben zugenommen.

„Die wirtschaftliche Blase? – mit viel Glück schrumpft sie beim nächsten wirtschaftlichen Aufschwung von selbst wieder.“  Wir haben keinen Aufschwung zu erwarten, sondern nur den des Finanzmarkt, der sich aufbläht und die Lage zusätzlich verschlechtert.

ART & DINE – Ausstellung Heidi Lenz

ART forum Bodensee und Hotel Chlosterhof
laden ein zum ersten ART&DINE 2010 am 3. April 2010
15.30 – open-end Vernissage in Stein am Rhein.

In der wundervollen Ambience des Hotels Chlosterhof in Stein am
Rhein stehen für diesen einen Tag Kunst, Philosophie, Jazz-Swing-
Blues, gediegenes Essen und feine Weine im Mittelpunkt.

Ausstellende Künstler:
Walter Giger, Steckborn/TG,
Reto Fenner, Berg/TG,
Susanne Lubach, D-Gaienhofen
Sergio Tilleria, Schaffhausen|SH
Mary Jetzer, Berg/TG
Heidi Lenz, Kreuzlingen/TG

Einladungskarte als PDF

(seeblog) Ich finde die Skulpturen von der Künstlerin Heidi Lenz ausgesprochen gut!

Artenschutz – Gier frisst Verstand

Japan sieht Sushi bedroht – nicht den Thunfisch. Die Artenschutzkonferenz in Doha wird für Natur- und Umweltschützer mehr und mehr zur Farce. In Katar haben die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens am Donnerstag gegen ein Handelsverbot für Eisbären und Roten Thunfisch gestimmt. Bei der Abstimmung auf dem Treffen der Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites in Doha stimmten 68 Länder gegen den Vorschlag Monacos, den Roten Thunfisch auf die Liste der besonders bedrohten Tierarten zu setzen. Der Grund für Monacos Vorstoss: In den letzten zwei-drei Jahrzehnten hat rücksichtslose Überfischung die Bestände laut Internationaler Kommission zum Schutz des Thunfischs (ICCAT) um 85 bis 90 Prozent dezimiert. Auch der internationale Handel mit Eisbären bleibt unter Auflagen erlaubt.

Damit dürfte für beide Arten das Todesurteil gesprochen worden sein.

Besonders dramatisch ist die Lage für den Roten Thunfisch, der vielen unter der Bezeichnung Blauflossen-Thunfisch und als Sushi bekannt ist. Vor allem durch Protest japanischer Sushi-Esser. Nicht nur die Japaner halten einen fragwürdigen Weltrekord: Kein anderes Volk der Erde verspeist mehr Thunfische pro Jahr (450.000 Tonnen Thunfisch). Auch Frankreich verdient an diesem System: Kein anderes Land exportiert so viel Thunfisch. 78 Prozent des weltweiten Fangs an Thunfisch landet auf japanischen Tellern. Umweltschützer gehen davon aus, dass die Bestände in wenigen Jahren dramatisch zurückgehen werden und der Thunfisch ausstirbt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Konsumgesellschaft könnte es daher passieren, dass die Menschheit einen wichtigen Speisefisch so lange isst, bis nichts mehr von seiner Art übrig ist. Knapp 80 Prozent der Bestände im Mittelmeer sind abgefischt. Um die verbliebenen Tiere kämpfen die Fischerei-Nationen mit immer größeren Spezialschiffen, mit Radarüberwachung und Flugzeugaufklärung.

Was wird logischerweise passieren?
Die Ware wird sich verteuern. Die Japaner werden als Ausgleich zum verstärkten Fang in den Pazifik ausrücken und diesen leer fischen. Eine der wirtschaftlichen Lösungen dagegen wäre: „Exocet-MM38-Lenkrakete„, das sollte ausreichen. (Anm.: Natürlich ist das keine gute Lösung, da dieses Handeln wiederum andere Konsequenzen haben wird  – aber zumindest wäre es eine). Also, versenkt die Japaner.

Man muss aber keine schlechtes Gewissen haben, weiterhin Thunfisch zu essen, denn der Thunfisch kommt ja nicht aus dem Meer, sondern bekanntermassen aus der Dose. Wieso die ganze Aufregung? Noch kein Kandidat für die Rote Liste in Katar ist der weisse Thunfisch, der vor allem in Konservendosen in unsere Supermärkte kommt und anschließend in der Spaghetti-Sosse, auf der Pizza oder im Salat beim Italiener an der Ecke landet.

Auch der Schutz von Hai-Arten wird abgelehnt. Beim Tiger hat die internationale Gemeinschaft bereits versagt. Nur 3200 dieser Raubkatzen leben noch in freier Wildbahn. Drei Unterarten gelten als ausgestorben. Die Chinesen züchten mittlerweile Tiger für ihre Potenzmittel. Naja – was soll man über die Chinesen überhaupt noch schreiben, sie gehen mit den eigenen Landsleuten auch nicht besser um. So gesehen, geht es dem einfachen Chinesen nicht besser als den Tieren in China, nur, dass er nicht gegessen oder als Potenzmittel verarbeitet wird.

In einer Chinesischen Zuchtfarm vegetieren 1500 Tiger. (BZ)
Tiger aus NRW zu Potenzmittel verarbeitet? (Focus)

PEKING, März 2010. Im Skandal um den Hungertod von mindestens elf Sibirischen Tigern gibt es neue Vorwürfe gegen die Betreiber des chinesischen Zoos. Wie die Zeitung „Beijing News“ berichtete, sollen aus den Knochen der toten Tiere Potenzmittel hergestellt worden sein.(AFP)

Wie gehabt und nichts Neues: Bei Wirtschaftsinteressen muss der Artenschutz  hinten anstehen, aber nicht nur der, auch der Mensch. Nettes Wort: „Wirtschaftsinteressen“ sollte wohl heissen „Gier frisst Verstand“.

Diese Arten stehen unter besonderen Schutz:
Bei speziellen Arten klappt immerhin der Artenschutz, obwohl diese nicht vom Aussterben bedroht sind, im Gegenteil. Diese Artenvielfalt ist in vielen politischen Einrichtungen anzutreffen: „Der schleimige Sesselkleber“ oder die „Dumm-dreiste Sprachtüte“, im Finanzbereich der „Gemeine Millionenverzocker“, der weltweit verbreitete „Menschliche Mastdarmkriecher“ und der im Wirtschaftsbereich anzutreffende „Gierige Dummhirnler“ oder auch „Gieriger Volksparasit“ genannt. Nicht zu vergessen die bekannte „Aalglatte Worthülse“, die „Geflügelte Amnesie“ und die vielen Arten, die in Paralleluniversen zuhause sind. Die Aufzählung ist nicht als abschliessend zu verstehen. ;-)

Was bedeutet das nun?
Leer und voll hängen im Gegensatz zueinander ab. Wenn das Meer leergefischt ist, hängt das von der Gegensätzlichkeit der Wahrnehmung der Dinge und dem Ausblenden der Konsequenzen des Tuns ab. Ab diesem Moment ist die Erkenntnis das Ergebnis der Vergangenheit. Der Mensch schafft sich selbst diese Umstände und wird wiederum auf den Umstand, dass ihm eine Nahrungsquelle abhanden gekommen ist, mit Gegenmassnahmen beginnen. Diese sind konsequenterweise nicht durchdacht und verursachen dadurch wiederum neue Probleme. Da der Mensch seit Jahrtausenden aus diesem Verfahren nichts gelernt hat, wird es einfach so weitergehen wie bisher.
Warum lernt der Mensch nicht daraus? Weil er den Bezug bzw. die Gegensätzlichkeit der Dualität als gegeben ansieht und nicht erkennt, dass er die Gegensätzlichkeiten selbst schafft. (siehe „Die Kunst zu leben im Nichts …„)

Die Welt gleicht einem Kahlköpfigen, der eine Perücke anlegt.

Margot Käßmann – Respekt

Längst auf dem seeblog überfällig: Respekt vor Menschen wie Margot Käßmann. Die Bischöfin und Chefin der evangelischen Kirche überfuhr mit 1,54 Promille eine rote Ampel, wobei – gottlob – niemand zu Schaden kam. Sie reagierte nach Politikermanier und zeigte sich erschrocken über ihren Fehler. Einen Tag später besann sie sich und reagierte angemessen. Das macht kein Politiker. Im Gegenteil – aussitzen, lamentieren und wenn gar nichts mehr geht, der Rücktritt – aber sehr selten. Es hat mich sehr beeindruckt, wie Margot Käßmann ihren Rücktritt erklärt hat und für ihr Handeln die Konsequenzen gezogen hat.

Erinnert sich noch jemand an den CSU-Politiker Otto Wiesheu, der 1983 bei einem Unfall im Suff (1,75 Promille) einen Menschen tötete? Mehr noch: Unter Edmund Stoiber wurde der wegen grob fahrlässiger Tötung rechtskräftig zu zwölf Monaten auf Bewährung und 20.000 DM Geldstrafe Verurteilte bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie. So wird das unter Männern (Politiker) gehandhabt.

Übrigens, ähnlicher Fall in der Zeit von Wiesheu in meiner Heimatstadt. Ein Familienvater, 1,4 Promille hat einen unbeleuchteten Fahrradfahrer (auch betrunken) getötet. 2 Jahre ohne Bewährung. Vor dem Gesetz sind alle gleich – dachte ich. Wie es wirklich aussieht, weiss ja jeder.

Da drängt sich aber noch ein anderer Verdacht auf: Männern werden „moralische Verfehlungen“ immer noch eher nachgesehen als Frauen. „Geschieden, vorlaut und jetzt fährt sie auch noch besoffen Auto. Oder liegt es daran, dass die grössten Idioten meistens auch gerne an ihren Sesseln kleben. Die grössten Moralisten und Gutmenschen sind meistens auch die ausgeprägtesten Egomanen – die leben gerne in Paralleluniversen. Da soll mal einer sagen, es gäbe bei uns keine Aliens (siehe Westerwelle).

Nach Anzeigen wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat im Fall Käßmann ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Lüneburg. Hintergrund ist die Frage, warum die Alkoholfahrt der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann so schnell publik wurde. Ein Antragsteller vermutet, ein Polizist habe die Information an die Bild-Zeitung weitergegeben. Über Bildzeitungsleser muss man ja nichts schreiben – diese haben noch das Weltbild im Kopf als die Erde noch eine Scheibe war.

Die Kunst, im NICHTS zu leben und wo ist das SELBST?

So, genug von der Welt der Gedanken. Das Ergebnis sieht man jeden Tag in den Nachrichten. Es sind nur die Symptome. Kreativität ist angesagt im Leben; Wandlung bestimmt das Leben. Entstehen und Vergänglichkeit sind die elementaren Bestandteile des Lebens.

Wenn man als Künstler ein Kunstwerk schafft, dann ist dieses Kunstwerk eine Art Momentaufnahme. Alle Kunstwerke sind eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen – also der Entwicklungsweg. Wo kann ich das SELBST erkennen? In den vergangenen Kunstwerken? Oder doch im HIER und JETZT – also gerade jetzt, während ich es male?

Erstmal der biologische Faktor
Der Mensch als biologisches Wesen? Die Biologie ist in gewisser Weise unabhängig von den in Physik und Chemie geltenden Naturgesetzen, da die Besonderheiten der einzelnen Arten nicht aus reproduzierbaren Gesetzen, sondern aus einmaligen historischen Ereignissen heraus entsteht. Deshalb sollte man in der Biologie nicht von Gesetzen, sondern eher von Konzepten sprechen. Denn zu jeder anderen Zeit herrschen andere Gesetze bzw. Konzepte. Der Mensch als Krone der Schöpfung hat sich schliesslich nicht nach Naturgesetzen entwickelt, sondern aus historisch entwickelten Ereignissen. Dass wir heute älter werden als vor 800 Jahren, liegt nicht an einem Naturgesetz, sondern an der Entwicklung, den Erkenntnissen der Naturforschung und dem technischen Stand dieser Entwicklungen.

Die Entstehung des Lebens
Fest steht, dass diese Entwicklung seit 15 Milliarden Jahren andauert und dass das Universum, die Entstehung des Lebens und letztlich des Menschen Teil dieser langsamen Evolution sind. Von ein und derselben Bewegung ausgehend, reihen sich die einzelnen Etappen aneinander wie die Glieder einer Kette. Der Mensch stammt ebenso von Affen und Bakterien ab wie von Himmelskörpern und Galaxien. Der Anfang war der Urknall, von dem wir so gut wie nichts wissen.

Warum existiert das Universum? Warum ist die Erde so einzigartig und warum leben wir? Nur weil wir da sind und uns diese Fragen stellen können?

Wo lebt der Mensch – überall?
Die graue Theorie: Der Mensch lebt im „Hier und Jetzt“ und das bedeutet: Das Leben ist immer in der Gegenwart, also „hier“ und „jetzt“. Denn die Vergangenheit ist immer schon vorbei und die Zukunft noch nicht erreicht. Oder in der Sprache des Existentialismus: „Der Mensch versteht sich selber nur im Erleben seiner selbst.“ Das „Sein“, also das, was ist und das, was ich bin, ist nur zu verstehen durch das Gewahrwerden vom gegenwärtigen Ort und der gegenwärtigen Zeit. Diese Inhalte und die daraus für das Leben und den persönlichen Entwicklungsprozess entstehenden Konsequenzen werden im Begriff „Hier und Jetzt“ verdichtet.

Tatsächlich lebt der Mensch selten im „Hier und Jetzt“. Dank seines Verstandes lebt er entweder in der Zukunft oder in seiner konditionierten Vergangenheit, die wiederum seine Ängste in die Zukunft transportiert. Das Aberwitzige dabei ist, dass der Mensch aufgrund seines Verstandes meint, es wäre das „Selbst“. Der Verstand ist aber nur das Werkzeug. Somit bestimmt der Mensch sein Werkzeug als sein ICH, das SELBST, den EGO.

Viele suchen ihr Heil in den östlichen Philosophien. Im Tantra ist das „Hier und Jetzt“ im Sinne von „permanentes Gewahrsein“ ein zentrales Element und im Buddhismus ist das „Hier und Jetzt“ Bestandteil der Achtsamkeit (Achtfacher Pfad). Darüber kann man auch viel nachdenken, bringt aber rein überhaupt nichts – ausser man ist genau da, wo man ist – in der LEERE.
Wenn ich in der heutigen Zeit über Power-Entspannung und Power-weissderteufelsonstnochwas sinniere und beschäftige, bin ich nur in der oberflächlichen Welt und weit davon entfernt, zu dem zu werden, was ich werden will. Der Schnellkurs zum höheren Bewusstsein ist erstmal der konträre Weg und doch geht es womöglich damit schneller zur Erkenntnis. Paradoxien sind nicht ausgeschlossen.

Der Mensch sucht sich, aber wo?
Interessanterweise sucht der Mensch sein ICH, seine Bestimmung überall, aber nie dort, wo er gerade im „Hier und Jetzt“ ist. Man kann sein ganzes Leben lang sich suchen und es nie finden, wie auch. Das SEIN ist nie in der Vergangenheit und auch nicht in der Zukunft. Man kann ewig darüber nachdenken und genau das ist das Paradoxe. Wenn ich denke, bin ich nicht!

Der Mensch liebt nicht die LEERE und STILLE; er fürchtet sich davor. Deshalb muss er immer in Bewegung bleiben, seinen analytischen Verstand benutzen, sich mit Problemen beschäftigen, die sein Verstand verursacht hat und die wiederum mit dem Verstand gelöst werden. Wie gesagt, man ist überall, nur nicht da, wo man sich befindet. Denn nur wer denkt, IST. Frei nach Cogito ergo sum (lat.: „Ich denke, also bin ich“), dem Grundsatz des Philosophen René Descartes. Laut Jaakko Hintikka ist das „Cogito ergo sum“ kein logischer Schluss, sondern die Vermeidung eines performativen Widerspruchs. D. h., wenn ich versuche, meine Nichtexistenz anzunehmen, muss ich unweigerlich meine Existenz anerkennen. Auch ziemlich tricky.

Unser Verstand ist nichts als eine gewaltige Hochleistungs-Etikettiermaschine mit Bewertungsmuster, konditionierten Vergangenheitsschemas und grossen Realitätsmusterkoffer.

Deshalb – darüber nachzudenken, wird zu keinem Ergebnis führen. Denn das Nachdenken entfernt mich von der Erkenntnis, was die LEERE, die STILLE (das Nichtdenken) und das SEIN im „HIER und JETZT“ ist.

Warum gibt es Reinkarnation, das Leben nach dem Tod?
Weil der Mensch ohne sein EGO ein ganz armer Mensch ist. Deshalb braucht er die Philosophie, um den Glauben an sein EGO und SEIN zu rechtfertigen. Witzigerweise reinkarniert der Mensch täglich in seinem Leben – so gesehen, stetig. Oder er schleppt irgendein Karma mit sich herum, das er im jetzigen Leben auflösen muss. Die Katholiken haben es da besonders schwer. Es sind nur Gedankengebilde, die durch das Denken zur Realität werden. So entsteht dann die Hölle, leider nur direkt auf dem Planeten, auf dem ich mich gerade befinde und sonst nirgendwo. Deshalb gibt es für den Menschen auch Gott. Der Mensch braucht immer die Absolution für sein „Dasein“. Keiner findet es gut, dass wir das Produkt aller Möglichkeiten und Unmöglichkeiten sind. Es ist der Zufall und die Bestimmung gleichzeitig.

Das EGO braucht ein Weiterleben nach dem Tod. Nichts ist unerträglicher für das EGO als das NICHTS. Deshalb klammern sich alle bei dem Gedanken, was nach dem Tod noch sein könnte, an die Hoffnung auf das Paradies oder sonstigen Gedankenmüll. Ich muss euch enttäuschen – das EGO und SELBST zerstört sich selbst und was danach kommt, ist grossartiger als alle EGO`s der Welt. Es ist alles und nichts. Es ist der Inbegriff aller Möglichkeiten, aller Neuanfänge, aller Realitäten und trotzdem ist es das NICHTS! Punkt. Das ist das Grossartigste, was wir haben – das NICHTS, aus dem etwas Neues entstehen kann.

Nochmals: Die Gedanken schaffen unsere irrsinnige Realität, die wir täglich auf dem Planeten Erde erleben. Das NICHTS, die STILLE schafft die gesamte Realität auf einen Punkt ohne Bewertung. Wenn wir wirklich etwas zum Guten verändern wollen, müssen wir das anerkennen und stellen aber gleichzeitig fest – das Gute gibt es überhaupt nicht. Denn erschaffen wir es, erschaffen wir auch das Gegenteil.

So mal nachdenken …
Genau richtig, denken wir doch mal über das Geschriebene nach und man wird nicht auf den Punkt kommen. Macht aber nichts, denn die LEERE kommt ja sowieso. Machen wir doch mit unseren Gedanken, unserem Verstand so weiter wie bisher – leben wir den gedanklichen Irrsinn aus.

Was kann man tun?
Erkenne deine Gedankenmaschine, beobachte sie und du wirst erstaunt sein, wieviel Müllgedanken herumschwirren. Sei im HIER und JETZT, in der STILLE, in der LEERE und den Rest verstehst du von selbst. Ach ja, und lache.

P.S. Der Verstand braucht unser Bewusstsein als Energie. Zieht diese Energie doch einfach mal ab.

P.P.S. Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich lebe im absoluten „Hier und Jetzt“. Ab und zu steige ich komplett aus. Das gehört auch zum Leben. Hauptsache, man kommt wieder zurück – dann ist es wieder sehr humorvoll (natürlich nur rückblickend). So bleibt das Leben sehr spannend.

Kunstwerk Gateway – Lost and not found

(Michael Prax) Beim Stöbern in alten Grossformatdias kam mir dieses Bild in die Finger/unter die Augen. Dieses Bild – GATEWAY, Öl / Acrylpigmentfarbe / Polychromos auf Leinwand, 03 / 95, 90 x 120 cm bekam ich nie von der Galerie CAMUE in Mannheim zurück. Das war ein ziemliches Theater mit dieser Galerie,  1997 – also schon etwas länger her.

Das Bild hat die Werkverzeichnisnummer 319 und ist hinten mit WVZ 319, Titel etc. signiert. Würde mich mal interessieren, wo dieses Kunstwerk abgeblieben ist. Wer hat es gesehen?