Die scharfen Bilder

Heute kam eine Frau aus Basel in meine Galerie und stellte sehr gute Fragen. Es war ein sehr anregendes Gespräch, zum Schluss meinte Sie das ich „richtig scharfe Bilder mache“. Das hat mich natürlich gefreut. Mich würde natürlich auch freuen, wenn sich die Herren der UBS vom Wolfsberg in den Niederungen von Mannenbach sehen lassen würden oder von anderen Institutionen die Künstler fördern. Das wäre dann sehr verschärft. Mittlerweile stelle ich fest, das diese one-man-show recht anstrengend ist und gegen den Mainstream zu schwimmen kostet einiges an Energie. Um optimal seine kreativität auszuleben sollte man die Existenzsicherung besser im Griff haben, aber das wäre ein neues Thema wert. Hier mein neuestes scharfes Bild.

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Das ganze ein wenig grösser: scharf

documenta-Werk nach Unwetter eingestürzt

Ein kurzes Unwetter brachte „Template“ des chinesischen Künstlers Ai Weiwei am Mittwoch in Kassel zum Einsturz. Der zwölf Meter hohe Holzturm besteht aus Türen und Fenstern alter Häuser, die dem Bauboom in China zum Opfer gefallen sind. Er will seine Installation nicht wieder aufbauen lassen. „Das ist besser als vorher“, sagte der 50Jährige. Das Werk zeige jetzt auch, dass die Natur immer wieder für Überraschungen gut sei. „Jetzt wird die Kraft der Natur sichtbar. Und Kunst wird durch solche Emotionen erst schön.“

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Das sehen auch viele Menschen in den USA wo Tornados ganze Häuser zerstören oder war der Tsunami ein Kunstwerk? Wahrscheinlich würde der Künstler auch ein gutes künstlerische Statement vorbringen, wenn der Blitz eingeschlagen hätte und das ganze Ding verbrannt wäre. „Dieser Aschehaufen symbolisiert die Vergänglichkeit, es ist definitiv viel besser als vorher.“ Es gibt gottseidank für jedes Ereignis eine wunderbare Erklärung. Noch mehr Aufsehen hätte es sicher gegeben, wenn der Turm auf eine Menschengruppe gestürzt wäre. Sicher ist das sehr sarkastisch und dramatisch – aber warten nicht viele darauf das Kunst und der menschliche Tod miteinander verbunden wird. Noch gibt es eine kleine Grenze zu dem Tabuthema, aber irgendwann wird auch diese Grenze überschritten. Dann wird der Selbstmord als ein Kunstakt zelebriert. Ein Künstler der seinen Namen der Nachwelt erhalten will und jemand muss es als erster machen. Der Erfolg kommt posthum, aber das wäre ja nichts neues.

documenta-Chef Roger Buergel, sah den Einsturz als „nur konsequent“. „Auf der einen Seite ist das eine relative Katastrophe, auf der anderen Seite lassen die Trümmer jetzt jede Menge Assoziationen zu. Und genau das will Kunst ja: Anregen“, sagte Buergel. Der Einsturz sei nicht ganz überraschend gewesen. „Die Statiker hatten gesagt, dass es Probleme geben könnte, deshalb war das Werk nicht zugänglich und so gebaut, dass es nicht auf die Ausstellungshalle stürzen konnte.“

Das ist Buergel live – wieder mal eine geniale Aussage! Dann wäre es nur als konsequent anzusehen, wenn eine ganze Horde Menschen die documenta verwüsstet, das wäre der anregende Teil um neue Assoziationen zu schaffen. Oder wie soll man solche Aussagen, „Kunst will anregen“ verstehen. So wenig wie ein Unwetter kontrollierbar ist, sind es auch Menschen in einem Ausnahmezustand. Buergel ein Unwetter? Die Welt bewegt sich und deshalb ist sie ein Kunstwerk? Dann scheint jeder Krieg auch ein künstlerischer Akt zu sein.

Am Donnerstag, nur Stunden nach dem Einsturz, wollte ein Käufer „Template“ begutachten. Ai Weiwei zeigte sich dennoch optimistisch: „Der Preis hat sich soeben verdoppelt“, sagte er nach dem Einsturz lachend.

Echt super! Und das klappt auch noch garantiert. Schöne neue Welt. Aber wieso in aller Welt nur das doppelte?

Der Zufall

finger.jpgGestern war ich wieder mit meinem Fotoapparat im See. Machmal entsteht durch den nervösen Zeigefinger ein besonderes Zufallsbild. Da war der Finger vor der Linse, als ich meine Füsse die auf einer Leiter im Wasser standen, fotografieren wollte. Der Wellengang machte es mir nicht gerade einfach die Füsse zu erwischen. Heraus kam diese klassische Unterwasseraufnahme mit Finger. Der See ist schon ziemlich grün, aber so grün? Ist das nicht Documenta-würdig? Dazu müsste man es auf 4 x 4 Meter anfertigen, mit dem Titel „Die Linien des Lebens“ und etwas geistreiches würde mir doch sicher einfallen.

Documenta XII kontra Documenta XIII

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Für die Documenta gab es Vorschusslorbeeren ohne Ende. Jede Menge so-genannter Kritiker, die alles inhalierten, was Documenta-Leiter Roger M. Buergel aushaucht, zu seinen Vorträgen ehrfurchtsvoll ankrochen und seine Worthülsen empfingen wie Moses die zehn Gebote. Ein paar Infos ausgespuckt und alles wird dann hochstilisiert durch die Medien zum absoluten Kunstereignis. Eunuchen an die Macht, den sie wissen wie es geht! Die Realität ist dafür umso nüchterner. Was wie durchdachte geistige Kunstspielerei aussah, entpuppte sich als leeres Kunstgebäude inhaltlich gefüllt mit tiefster Hohlheit.

Mittlerweile habe ich einige Dokumentationen über die Documenta in Kassel gesehen. Die Aussagen der Künstler haben mich, gelinde gesagt unangenehm überrascht. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass Banalitäten immer mehr zu Ruhm kommen. Wie die zwei Chinesen, die ein Schild hochhalten mit einem Spruch wie „Deutschland ist kein schönes Land“.

Oder die documenta-Künstlerin Lotty Rosenfeld ist «entsetzt» über die Zerstörung eines ihrer Kunstwerke. «Ich bin persönlich wirklich verletzt. Es ist ein Akt der Gewalt und ich fühle mich missachtet». Einen Tag zuvor waren die weissen Aufkleber, mit der sie Fahrbahnmarkierungen in Kreuze verwandelt hatte, von der Kasseler Stadtreinigung entfernt worden. Aber vielleicht hätte es ohne Stadtreinigung keiner mitbekommen, gut das sie so gründlich waren – jetzt kann man sich wenigsten ins Rampenlicht bringen und den berühmten moralischen Zeigefinger hochhalten – „ein Kunstwerk wurde zerstört“.

Deshalb hatte ich auch eine Zeitlang das Problem mich als Künstler zu bezeichen. Denn wer nicht in die Psychiatrische Anstalt eingeliefert werden möchte, muss betonen das er Künstler ist. Dann kann man auch bedenkenlos mit seinen Exkrementen malen und oder wie der chilenische Künstler Marco Evaristti, Fleischbällchen im abgesaugten Körperfett anbraten und einen Bericht in der NZZ bekommen.
Die Künstler waren schon immer Vorreiter unserer Gesellschaft und ich merke mit erschrecken das dies stimmt. Mittlerweile interessiert mich der Kunstmarkt, die Künstler, die Gesellschaft – deren Verknüpfung mit der Welt und dessen Eigendynamik mehr als die Malerei. Ich habe immer mehr Lust über die Künstler Kunst zu machen, denn der Künstler jenseits von selbstkritischen Grenzen sind heute das Kunstwerk mit dem man sich auseinandersetzen muss.

Ist das nicht alles bedenklich? Oder ist das der fortgeschrittene Weg einer Gesellschaft in die Dekadenz und der Untergang der Hochkultur. Andere sind ja auch ausgestorben, ich denke nicht, das man das der Kunst alleine ankreiden kann. Fehlt mittlerweile sogar der kleinste Funken Selbstkritik? Die Kunst hat es vor Jahren aufgezeigt und heute zeigen uns die Manager und Politiker wohin der Weg ohne Selbstkritik führt. Doch die Kunst ist schon wieder ein Stück voraus.

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Als Gegenprojekt habe ich die Documenta XIII in Mannenbach ins Leben gerufen. Zu sehen unter: www.euregio-bodensee.ch/news/documenta-xiii-mannenbach.html.

Das ist der Vortest für die grosse Documenta – das nächstes Mal sollte man die gesamte Schweiz als Kunstprojekt einbeziehen. Bitte nicht falsch verstehen, Kunst ist ja mittlerweile überall und da die Schweiz noch Grenzen besitzt kann man dort das Kassenhäuschen einrichten – fürs banale Eintrittsgeld.

Der Mannenbach – das kopulierende Lichtobjekt

Seit der Veränderung des Baches ist nun eine Woche vergangen. Was kam in dieser Woche als Ergebnis der künstlerische Auseinandersetzung heraus.

Grundlage: Das versteckte Lichtobjekt (in den Beiträgen weiter unten schon abgehandelt) – die Entblössung des Baches. Jetzt wirkt er wie nackt.

Es fehlt die Erotik des Lichtobjektes das durch die Büsche teilweise verdeckt war. Stellen wir uns eine Frau vor, die ein weisses T-Shirt trägt, dieses geht knapp über den Po – alles lässt noch Raum für Phantasie. Die zweite Variante ist eine nackte Frau die die Beine spreizt. Das hat kaum etwas erotisches, sondern eine auf das elementare reduzierte Direktheit. Das ist der Mannenbach heute – vielleicht passt jetzt der Name „Mannenbach“ umso besser. Sind Männer nicht sehr an der direkten radikalen Nacktheit interessiert? Ich denke schon, sonst würde die Pornoindustrie ja keinen so grossen Umsatz machen.

Die Konsequenz aus dieser Betrachtungsweise und die neue künstlerische Annäherung an dieses Thema wäre ein kopulierendes Lichtobjekt. Dieses muss eine deutliche Aussage haben – aber keine greifbare Direktheit. Für den Betrachter muss klar erkenntlich sein um was es sich hier handelt, den Geschlechtsakt. So klar wie die Darstellung auch ist, die künstlerische Umsetzung muss trotzdem genügend Spielraum aufweisen für andere Sichtweisen. Eine Gratwanderung von Provokativ und Phantasie.
Die Bewegung der kopulierenden Lichtobjekt wird aus der Wasserkraft des Baches gewonnen. So kommt die direkte Kraftübertragung von unten. Also elementar wie das kopulieren selbst.

Jetzt muss es nur noch umgesetzt werden.

Kunst für die Ewigkeit?

Mir ist schon klar das in einem Kunstwerk viel Herzensblut drinnen steckt. Aber wäre eine Zerstörung nicht auch ein künstlerischer Akt. Wir leben in einer Zeit wo versucht wird alles zu konservieren. Warum nicht mal einen anderen Weg gehen. Derjenige der ein Bild oder Skulptur erwirbt zerstört es am Lebensende – wäre doch auch mal ein Aspekt.

Muss man immer alles für die Ewigkeit schaffen?

suppe.jpgZum Beispiel die „Campbell`s -Suppendose“ vom Supermarkt, signiert von Andy Warhol. Bei manchen reagiert der Inhalt mit dem Metall der Dose und die droht zu explodieren. Fachleute haben da ja mehrere Möglichkeiten – ist die Dose ohne Inhalt dann noch eine Kunstwerk von Warhol? Oder lässt man sich absolut teuere Methoden einfallen um sie zu retten. Wäre es nicht besser das Geld in neue Kunstobjekte zu investieren.

Ich finde diese Konservierungs- und Erhaltungshysterie mittlerweile für sehr bedenklich. Wenn man sich ansieht was an neue Kunst anfällt. Wird dann der Restaurator zum neuen Zukunftsberuf? Warum das Werk über dessen normalen Zerfalls erhalten? In 100 Jahren muss man grosse Lagerstätten bauen um den ganzen „Kultur-Müll“ zu erhalten, archivieren, verwalten und konservieren. Ist das der richtige Weg?

Was hat der Künstler nach seinem Tod davon?

Natürlich nichts mehr.

Ich ertappe mich oft selbst dabei, wie ich versuche etwas für die Ewigkeit zu manifestieren. Angefangen von der besten Auswahl der Leinwand, den Farben usw. – wie lange muss mich denn das Kunstwerk überdauern? Im Prinzip kann es mir ja nach meinem Tod ziemlich egal sein was daraus wird. Hauptsache zu meinen Lebzeiten blättert die Farbe nicht ab und um da sicher zugehen, gebe ich noch einen Zuschlag auf ein paar hundert Jahre.

Die Berühmtheit nach dem Tode hat noch keinem geholfen, oder geht es Van Gogh jetzt besser – weil er so berühmt ist. Schade das man ihn nicht fragen kann, hat er sich Gedanken gemacht wie seine Kunstwerke überdauern? Das ganze spielt sich doch nur im Kopf ab, es hat mit der Realität nichts zu tun.

Und da gibt es noch die Kunstwerke, die ich so behütete und darauf aufpasste wie auf kein anderes – leider gibt es auch Murphys Gesetz und eine kleine Unachtsamkeit wirkt sich dann so fatal aus, dass dabei das Bild zerstört wurde. Vergänglichkeit ist überall.

Aber nach dem Schmerz der Verlustes, desto mehr die Chance das die Kreativität sich in eine andere Richtung neu entfaltet. Viele hatten sich beklagt das ich oftmals gute Bilder, auch manche die im Kunstkatalog abgebildet sind, übermale. Stimmt, denn aus dem guten möchte ich ein sehr gutes machen, davon abgesehen mache ich es nicht so oft wie manche meinen. Es reizt mich keine Masse zu schaffen, sondern immer wieder zu überprüfen ob es dem jetztigen Zustand von mir entspricht und ich mit meiner subjektiven Anspruch zufrieden bin und ich habe gelernt loszulassen

Empirischen Kulturwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Am Mittwoch den 13. Juni besuchten und interviewten mich 2 Studenten der Empirischen Kulturwissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Sie schreiben zu einem dreisemestrigen Studienprojekt zum Thema „Einheit in der Vielfalt. Rhetorik und Praxis grenzüberschreitender Regionen: Der Bodenseeraum“.

Es war ein sehr interessantes Gespräch mit den beiden. Schade das sie ihre Badesachen nicht dabei hatten. Wäre nach dem interessante Interview noch eine gute Abkühlung geworden – für die Zurückreise nach Tübingen. Kommunikation ist eine der wichtigsten Pfeiler der Kunst – zumindest für mich.

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