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Unscharf fand ich das nach den Fotos mein Hut verloren ging. Ganz neu und nicht ganz billig. Aber im Wasser kommen mir immer die besten Ideen, deshalb auch die vielen Fotos rund ums Nass und im Wasser. Scharf dagegen waren die Fotos die ich heute von den neuen Lichtobjekten (Feb. und März) gemacht habe. Endlich kommen sie ins Internet – vermutlich sind sie Ende der Woche drinnen.
Zum anderen fiel mir zur documenta etwas neues ein, vielleicht auch deshalb weil ich gestern im Fernsehen die Aktion mit den Sandhäusern auf Langeoog gesehen habe. Hier ging es um Vergänglichkeit – ein sehr interessantes Thema. Die Flut schluckte die ganzen Sandhäuschen, ich glaube es waren an die 3500. Noch dazu war die ART-Basel der ich gerne fernbleibe, die Besucherzahlen schnellen in die Höhe – die Massen konsumieren Kunst. Wohl bekommts.

Die Wallfahrt zur Kunst
Diese ganze Kunstpilgerei scheint ja mittlerweile ein Volkssport zu sein. Ich komme aus der Nähe eines Wallfahrtsortes in Bayern. Deshalb kenne ich diese ganze Pilgerei, machmal grenzt es schon an Pilgerwahn – eben der KUNSTpilgerwahn. Menschenmassen die sich Kunst reinziehen wie andere Drogen oder Religion. Immerhin ist Kunst ungefährlich – ausser es stürzt etwas ein, aber dann wird es eher teuerer als gefährlich.

Der grossen Kunst-Event oder Kühe an die Macht (Tränke der Macht)
Kuh.jpgMan sollte ein paar hundert Kühe auf den heiligen Rasen eines grossen Fussballstadion treiben und dann können von den Rängen die Kunstpilgerer denen bein Schei**** zuschauen.
Das ganze als Aktionskunst deklarieren und … hochgeistige blablabla von sich geben – und das geht so:

Die Kühe auf den Rasen repräsentieren die Gesellschaft der Kunstpilgerer und Wallfahrer der Kunst. Muhend und vor sich hingrasend bewegt sich die Kuhmasse in einem genau definierten räumlichen Gebiet, der Fussballplatz als Nabel der Welt – eine grosse Kunsthalle. In der Mitte steht eine Kuhtränke – nicht einfach eine Kuhtränke – sondern eine künstlerisch definierte Kuhtränke. Man sieht zwar keinen Unterschied zu einer normalen Kuhtränke, aber man will ja das Publikum das an die documenta gewöhnt ist nicht überfordern.

Die Kühe arrangieren sich um diese Kuhtränke und wenn eine davon trinkt, erscheint auf dem grossen Stadiondisplay die Worte „Wasser = Leben“ und es ertönt aus dem Stadionslautsprecher das Geräusch einer Toilettenspülung.
Künstlerisches Statement: „Zum einen wird unterstrichen wie unsere Gesellschaft unverantwortlich mit der Ressource Wasser umgeht und zum anderen zeigt es die Kunstpilgerer die aus der Tränke der Kulturschaffenden getränkt werden. Schon zu kompliziert?“

Und was passiert wenn eine Kuh scheisst?
Entschuldigt den Ausdruck, aber ich denke bei einer Kuh kann man das so sagen. Dann erscheinen die Worte „Transformation“ und als Audiounterstützung „Tor und Jubel“ (alternativ: „Kunst kommt von können“) – man ist ja schliesslich in einem Fussballstadion. Zusätzlich ist die Unterstützung eines mobilen Videoteams nötig, um die ganzen Aktionen der Kühe visuell festzuhalten und es realtime auf die grosse Videoleinwand zu projizieren. So mit Zeitlupe und allem drum und dran – wie bei einem Fussballspiel. Mit den zig Wiederholungen der gleichen Szene von verschiedenen Seiten – so wird der Akt des Auswurfs des Kuhfladens (schön umschrieben, oder?) zum medialen Ereignis.

Irgenwann muss noch gemolken werden. Vielleicht kann man dazu auch Prominente gewinnen – ich wäre für Stefan Raab und Dieter Bohlen – nicht seitlich melken wie normal, sondern hinter dem Schwanz. Restrisiko muss sein! Denn die heutige Kunst ist schliesslich auch mit einem Restrisiko der Beliebigkeit verhaftet.
Den Haupteil der Kühe dürfen dann die Kunstpilgerer melken – Kunst hautnah, als direktes Kunsterlebnis. Das Euter als Kunstobjekt! Plastikeuter als Franchiseartikel würden dann der Renner sein. Limitierte Auflage und Handsigniert von mir. Greifen sie zu – das Kunst-Euter von Michael Prax!

Die Medien werden es fressen wie die Kühe das Gras und schon schaut die ganze Welt dorthin. Ich hoffe keiner klaut mir die Idee. Vor allem – sie ist genial ausbaufähig.

Unscharf, die Kuh auf dem heiligen Rasen und die Kunstpilger
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8 Gedanken zu „Unscharf, die Kuh auf dem heiligen Rasen und die Kunstpilger

  • Dass von der „Heilgen Kuh Kunst“ mal was fürs Wasser abfällt, wäre wirklich nicht schlecht. Kennen Sie das Kuhfladen-Roulette beim Goethe-Gartenhaus in Weimar? Es gehörte 1997 zu einem Projekt von Wolfgang Kissel, der später „Professor für Medienkunst“ an der Bauhaus-Universität geworden ist. Kuh, Kunst und Dung scheinen also wirklich eine besonders glückliche Verbindung eingehen zu können…

    M.S., Redaktion – http://www.brauchwiki.de

  • @Sammler – Das mit dem Kunst-Euter könnte noch eine Weile gehen!

    Danke für den Tip mit dem Sponsoring, nur so funktioniert es. Dann schaut es mit dem Kunst-Euter auch nicht schlecht aus. habe mir überlegt ob man es mit meiner Lieblingsfarbe in Ultramarin-Blau machen sollte mit knallroten Zitzen – so Rosa ist ja zu normal.

  • grüetzi herr prax,
    aus ihnen wird noch ein grosser künstler – dann haben wir wenigsten etwas zum lachen. schade das sie nicht auf der documenta ausstellen. wir werden sie mal demnächst in ihrer galerie besuchen – falls sie nicht auf einer kuhweide sind.
    grüssle vom untersee

  • Welches Fussballstadion wird in die engere Auswahl bezogen? Ich wäre für die Allianz-Arena in München, denn in Bayern gibt es viele Rindviecher!

    PeterPan

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