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CRM – Lösungen und die Kunst

Zur Zeit bin ich in der Evaluierung für ein neues CRM-Projekt und beschreibe gerade die Prozessabläufe unserer Firma. Da kann einem schon mal der Kopf rauchen, die Struktur ist sehr komplex und vielschichtig. Vor diesem Prozess war ich in der Testphase eines anderen CRM, das die Firma vor ca. 2 Jahren in Auftrag gegeben hat und musste feststellen es genügt unseren Anforderungen absolut nicht. Äusserst komplex, undurchsichtig, keine abgrenzende Benutzerverwaltung, hohe Kosten für Anpassungen und man klickt sich zu Tode. Deshalb beschloss ich dieses Projekt zu stoppen, denn nach dem GoLive kommt sicher kein KeepLive – sondern nur noch Desaster. Das sind die schwierigsten Entscheidungen, da ja erhebliche Kosten entstanden sind.
Deshalb versuche ich ein möglichst schlankes, überschaubares und elegantes System zu bekommen, damit unsere Mitarbeiter intuitiv und möglichst praktisch arbeiten können. Praktisch heisst natürlich produktiv und fehlerfrei.

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Hier hilft mir meine künstlerische Arbeit, denn um Lichtobjekte zu bauen muss man in erster Linie kreativ und danach äusserst strukturiert arbeiten. Witzigerweise bekomme ich durch diese Arbeit wiederum gute Ideen für die Lichtkunst, ist manchmal schon komisch.

Die Kunst und die Wirtschaftlichkeit

Passt irgendwie nicht so ganz zusammen. Seien wir doch mal ehrlich, Kunst ist ein Business wie jeder andere Job auch. Man sollte schon ein guter Verkäufer sein, gutes Marketing machen und noch den Geschmack der Kunden treffen. Natürlich gibt es da auch die besonderen Beispiele von Künstlern die es geschafft haben, mit viel Glück den richtigen Galeristen gefunden und dann der Senkrechtstart nach oben. Auf jeder Messe vertreten, in jedem wichtigen Kunstmagazin abgebildet. Erst wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann man sich absolut in der Kunst verlieren – dann entwickelt sich das künstlerische Œuvre manchmal zu dem – wo man sich immer fragt ob die nicht in die Klappsmühle müssten. Das wäre dann wieder mal die Grenzenlosigkeit.

Es war eine sehr gute Entscheidung nicht mehr von der Kunst leben zu müssen. Da hatte ich doch einiges mehr an wirtschaftlichen Druck auszuhalten. Bei Gesprächen mit Kollegen aus der Kunst fühlte ich mich in dieser Entscheidung sehr bestätigt. Der Verkaufsdruck ist einfach enorm und deshalb kam dann auch die Freude an der Arbeit ziemlich unter die Räder. So habe ich auch entschieden pro Jahr ein Lichtobjekt und ein Bild zu malen, nur für mich und siehe da, es macht wieder richtig Spass. Die Wirtschaftskrise tat noch das übrige, denn 2007 war ein Investitionsjahr für die Lichttechnik die nicht gerade billig ist und 2008 kam wirtschaftlich fast überhaupt nichts mehr rein. Freiheit ist nicht selbständig zu sein und sich seine Zeit einteilen zu können, sondern durch geeignete Umstände eine gute Lebensqualität zu erreichen. Denn in der freien Zeit war ich stetig unter Stress zumindest die Fixkosten hereinzuholen und da kann man nicht mehr von der Freiheit der Entscheidungen reden. Sondern der wirtschaftliche Druck in der Kunst setzt einem Grenzen, die wesentlich enger sind, als wenn ich in einem Angestelltenverhältnis arbeite.

In den Gesprächen mit anderen Künstlern habe ich dies auch genauso erlebt. Die künstlerische Freiheit existiert nur im Glaubenssatz, also virtuell und die Realität ist tatsächlich eine ganz andere. Auch sie sind immer im wirtschaftlichen Stress, wovon soll man leben wenn man kein Bild verkauft und dieser Stress blockiert irgendwann die künstlerische Arbeit. Aber viele machen sich da auch etwas vor, die Hoffnung auf Erfolg bei einer Ausstellung, eventuell von einem Galeristen entdeckt zu werden, einen Mäzen zu finden usw.. Zum Schluss ist die einzige Belohnung ein Zeitungsartikel über sich und die Ausstellung und wieder wird die Hoffnung auf eine bessere Zukunft genährt.

Wie auch sei, ich habe eine klare Entscheidung für mich getroffen, bevor die Entscheidung von aussen kommt. Viele sagen wie schade es ist, dass ich mich aus dem Kunstzirkus zurückziehe. Wenn ich aber denn Sachverhalt erkläre, wird auch jedem bewusst „Brotlose Kunst“ ist eben auch nichts. Ich habe mich tatsächlich für die Kunst entschieden die mir wichtig ist, nur das ich sie jetzt nur noch für mich mache und jetzt bin ich wieder da wo ich angefangen habe – kreativ zu sein.

Blogkommentare und Zensur

Es war nur eine Frage der Zeit. Wer haftet bei den Blogs oder Foren für die Kommentare und dessen Inhalt. Diskussionen über Zensur sind generell ein zweischneidiges Schwert. Denn auch gut recherchierte und wahre Enthüllungen/Berichte/Kommentare sind gerichtlich anfechtbar. Gegen Firmen die versuchen mit viel Geld und ein paar scharfen Rechtsanwälten, die meist privaten Blogbetreiber mundtot zu machen, hat man selten gute Karten. Seine „subjektive Meinung“ zu vertreten verlangt Zivilcourage und ist für andere unbequem – dazu braucht man entweder eine gute Rechtsschutzversicherung oder man macht es gleich anonym.
Natürlich, das ist die andere Seite, werden auch beleidigende Kommentare von anonymen User abgegeben. Werden sie entdeckt, so löschen 90% der Betreiber die Kommentare.
Jetzt hat ein aktuelles Urteil des Landgerichts Hamburg die Debatte um die sogenannte Forenhaftung wieder aufgewühlt. Die Gretchenfrage: Ist der Betreiber eines Forums, eines Blogs oder einer Webseite juristisch verantwortlich für Kommentare von Nutzern seines Angebots? Muss er alles vorab zensieren? Jetzt kommt das Zeitfenster ins Spiel, wie schnell muss ein Beitrag gelöscht werden?

Laut dem Beschluss des Landgerichts: VORAB. Verurteilt wurde in diesem Fall der Journalist und Blogger Stefan Niggemeier, darüber kann man bei Spiegel-Online nachlesen.
  
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Schein und Scheinheiligkeit – so funktioniert die Welt.
 
„Die Gedanken sind frei“ so ein altes Sprichwort und die Anonymität des Internet lässt sie real werden, damit sie gelesen werden.

Hier kann ich nur für mich sprechen, ich hatte auch einige Kommentare zu einem heiklen Thema. Diese wurden beleidigend gegenüber einer Person geäussert. Natürlich lösche ich solche Kommentare, wenn ich sie entdecke. Aber ich habe kein Interesse, alle Kommentare bevor sie veröffentlicht werden, vorher zu kontrollieren da es Zensur ist. Wir leben in einer Zeit wo eine Kontroll- und Regelungswut herrscht. Im Prinzip ist das Internet ein Spiegel unserer Gesellschaft und dort kann man nun mal nachlesen wie andere Menschen denken. Auch wenn es uns nicht gefällt oder auch abstossend ist was wir entdecken können. Früher gab es diese globale Vernetzung nicht, dass heisst aber nicht, das in der Vergangenheit nicht schon solche Gedanken existierten. Vielleicht kommt zum ersten Mal ans Tageslicht, was in menschlichen Köpfen abläuft und schon immer abgelaufen ist.

Es ist sicher erschreckend was manchen Menschen im Kopf vorgeht, aber es sind meist Gedankensplitter und das Deckmäntelchen der Normanpassung funktioniert bei den meisten. Deshalb fallen im Normalfall solche Menschen in der Gesellschaft nicht auf. Hysterie und Überbewertung und der Schrei nach Kontrolle und Überwachung bringen das Gegenteil. Man könnte fast meinen, der Menscheit hat ein Problem die Realität so zu erkennen, wie sie nunmal ist. Vielfalt in allen Bereichen, ob negativ oder positiv, extrem oder angepasst – der Mensch besitzt keine genetische Grundnorm was „Normal“ ist.

Abgesehen davon, man schaue sich die Welt an wie sie tickt. Keine Nachrichten ohne Schreckensmeldungen, Angst vor Katastrophen, Angst vor dem sozialen Abstieg, Kriege, Menschenrechtsverletzungen – das ist das reale Abbild unserer Gedanken. Sie passieren jetzt und sind real.
Warum regt sich keiner darüber auf? Weil sie in unserer Welt alltäglich geworden sind? Die Gedanken im Internet sind sie gefährlicher?

Das System im System
Deshalb bauen wir uns eine zweite bessere Welt wie „Second Life“ wo alle so wunderbar harmonisch miteinander umzugehen und erschrecken, wenn festgestellt wird, das dort das gleiche passiert wir in unserer realen Gesellschaft. Man könnte fast meinen, der Mensch sucht das Paradies im Internet. Deswegen mutet es aberwitzig an, wenn Diskussionen über virtuelle Kinderschändung und virtuelle Vergewaltigung diskutiert und dann nach realen Gesetz gerufen wird. Gibt es schon bald den virtuellen Gerichtshof bei Second Life, wo User dann in ein virtuelles Gefängnis gesteckt werden? Sicher sind die Juristen dann auch nicht weit, um dort eine zweite Kanzlei zu besitzen und reales Geld verdienen. Lange kann es nicht mehr dauern. Der Mensch ist einfach … Mensch.

Das Urteil …
Das Urteil ist wieder mal ein typisches – die Haftung bzw. juristische Verantwortlichkeit. Wenn man diese Haftungsphilosophie oder die juristische Verantwortlichkeit auf unsere Politiker und Wirtschaftskapitäne anwenden würde, dann könnte man sicher 60% dieser Personengruppe abmahnen wegen unwahrer Aussagen oder bewusster Täuschung.