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Peinliche Panne der Rating-Agentur Standard & Poor’s – wer glaubt`s

Ein peinlicher Fehler der Rating-Agentur Standard & Poor’s schockiert Frankreich: Die Bonitätswächter meldeten irrtümlich eine Herabstufung des Landes und sorgten für grosse Verwirrung auf den Finanzmärkten. Die Regierung ist empört und ermittelt gegen die Agentur.

(Reuters) Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat irrtümlich eine Herabstufung der französischen Kreditwürdigkeit verkündet und damit Ängste vor einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise geschürt. Erst zwei Stunden nach dem Vorfall räumte die Agentur ein, versehentlich eine Mitteilung an einige Abonnenten ihrer Internet-Seite verschickt zu haben, die eine Verschlechterung der Bonität signalisierte. …weiterlesen (NZZ)

Mit dieser peinlichen Panne lässt sich äusserst viel Geld verdienen. Vermutlich wird demnächst wegen einer Panne oder versehentlich wieder eine Pandemiemeldung herausgegeben (damit die Pharmaindustrie wieder mehr Profit machen kann) oder wegen einer Panne haben wir irgendwann die Weltwirtschaftskrise.
Oder wir haben längst die komplexen Computerwelt nicht mehr im Griff – so fallen uns bald die Satelliten auf den Kopf. ;-).

Die Fehlurteile der Ratingagenturen waren für die Finanz- und Wirtschaftskrise mit verantwortlich. Unternehmen wie Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch vergaben Bestnoten für komplexe und hochriskante Finanzprodukte. Die Folgen sind bekannt. Dennoch ist ihr Einfluss ungebrochen – mit fatalen Folgen für die europäische Wirtschafts- und Währungsunion.
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Die Ratingagenturen- die Brandbeschleuniger

moodys_ratingfuck.jpgWas soll man zu diesem Thema grossartig schreiben, alles nur eine Wiederholung vom April 2010. Siehe Bericht: Standard & Poor`s- die Brandbeschleuniger nun heisst es „Moody`s- die Brandbeschleuniger“. Schon geht die Angst um vor einem Flächenbrand, der auch auf Italien und Spanien übergreifen könnte. Heute dominieren drei Agenturen den Markt: Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Dass ihre Macht noch immer so groß ist, liegt auch an der Politik. Mit ihren Herabstufungen verschärfen sie die Finanzprobleme der Schuldenländer und agieren so als Brandbeschleuniger.

Welchen Einfluss Rating-Agenturen haben, demonstrierte Standard & Poor’s (S&P) im April 2011 der Weltöffentlichkeit: Das US-Unternehmen setzte den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika von „stabil“ auf „negativ“ herab – und löste damit umgehend einen Kursrutsch beim wichtigen Börsenindex Dow Jones  aus. Gleichzeitig schossen die Risikoprämien auf US-Staatsanleihen nach oben. Später normalisierten sich die Kurse wieder, doch die erste Reaktion an der Börse machte deutlich: Rating-Agenturen sind die Herrscher der Geldmärkte. Oder bei der Finanzkrise – weil sie Schrottpapiere mit Bestnoten bewertet und so zur Spekulationsblase beigetragen hatten, galten sie als Mitverursacher der Krise.

„Die Rating-Agenturen reagieren auf die Märkte, und die Märkte reagieren auf die Rating-Agenturen“

«Das ist eine unglückselige Episode und wirft Fragen über das Verhalten der Ratingagenturen und deren Weitblick auf», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel. Diese Frage hat man sich auch schon letztes Jahr gestellt als Standard & Poors Griechenland auf BB+, also auf den „Ramsch-Status” herabgestuft hat – auch zu einem sehr fragwürdigen (für andere ein optimaler)  Zeitpunkt.

Gleiche und ähnliche Erkenntnis dieses Jahr: Die Regierung in Lissabon habe erst in der vergangenen Woche Massnahmen angekündigt, die teilweise über die Abmachungen für das Hilfspaket noch hinausgingen. Der Sprecher nannte den Zeitpunkt der Veröffentlichung „ausserordentlich unglücklich“.

Don’t forget! Dieser gewählte Zeitpunkt ist nicht ausserordentlich unglücklich gewählt, sondern optimal, um Profite zu erzielen!

Das Unbehagen ist besonders gross, weil der Markt in der Hand von nur drei Unternehmen ist. Die New Yorker Platzhirsche S&P, Moody’s und Fitch geben 95 Prozent aller Bonitätsbewertungen ab. Sie beurteilen die Kreditwürdigkeit von Staaten, Banken und Firmen. Kein Marktteilnehmer kommt um diese Bewertungen herum, trotz aller Fehleinschätzungen verlassen Anleger sich auf ihr Urteil. Sie tun es, weil es alle tun. Man sollte sich lieber die Frage stellen, wie weit das Diktat der Finanzmärkte gehen soll.

Sehenswert: Ratingagenturen: Mitschuldig an Krise? (Frontal21 – ZDFmediathek)

Standard & Poors – die Brandbeschleuniger

Mit heißer Nadel stricken die Medien Geschichten zusammen, um die Aufregung anzuheizen. Doch auch von anderer Seite wird kräftig Öl ins Feuer gegossen.
Es ist durchaus fragwürdig, ob das Timing glücklich gewählt ist. Standard & Poors hat Griechenland auf BB+, also auf den „Ramsch-Status“ herabgestuft. Kein Wunder, den USA behagte der Euro noch nie. Gute Gelegenheit, dem Euro einen Schlag zu versetzen. Noch halten die beiden Konkurrenten Moody’s und Fitch still. Doch wenn sie bei Griechenland nachziehen und dessen Staatsschulden ebenfalls zurücksetzen, wird an den Finanzmärkten die Hölle ausbrechen – das gleichlautende Urteil zweier Agenturen wiegt bei Banken und Finanzunternehmen schwer genug.

Nichts als eine gut geplante Kampagne, den Dollar zu stärken. Optimal wurde das Rating gesetzt – das hat eine Wirkung wie ein Brandbeschleuniger.
So könnte sich das Problem für Griechenland noch verschärfen, weil bei einer starken Herabstufung institutionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen Anleihen des Landes nicht mehr in ihren Depots halten dürfen. „S&P muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in einem illiquiden Markt diese Prozesse noch verschärft zu haben.

Die Geschichte der Ratingagenturen ist gespickt mit Niederlagen und Merkwürdigkeiten. Diese Spezialunternehmen haben die Finanzkrise mit ebenso dummen wie dramatischen Fehleinschätzungen überhaupt erst möglich gemacht.

Die amerikanischen Investmentbanken
Die Probleme der Euro-Länder mit Griechenland sind künstlich aufgeblasen. Die vorübergehende Euro-Schwäche beruht auf Ablenkungsmanövern. Fraglos haben auch amerikanische Investmentbanken zum eigenen Vorteil kräftig dazu beigetragen, die Schulden Griechenlands hochzutreiben und daran zu verdienen. In welchem Umfang sie dabei geholfen haben, die Zahlen des griechischen Staatshaushalts zu frisieren, bleibt einstweilen der Spekulation überlassen. Auf jeden Fall werden sie an der Restrukturierung der Schulden, beginnend schon in diesem April, wieder tüchtig mitverdienen, obendrein wohl auch an den Euro-Dollar-Währungsturbulenzen.

Im schlimmsten Fall lösen sie einen Dominoeffekt an den Finanzbörsen aus, wenn die Staatspleite kommt. Portugal und Spanien sind die nächsten Wackelkanditaten für den Euro. Immerhin werden – wie gehabt – durch kurzfristiges Denken kurzfristig hohe Gewinne erzielt.