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Deutsche Hähnchenerzeugung im Interesse der Verbraucher (mit Antibiotika) vs. Marketing und Werbung

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© Cartoon: www.lachhaft-cartoons.de

Eigentlich geht es nicht um das Hähnchen, das ist stellvertretend für alle Erzeugnisse , sondern was uns Verbraucher als Marketing- und Werbemassnahme vorgesetzt wird.

Proplanta ist ein unabhängiger Anbieter von Informationen und Services für den gesamten landwirtschaftlichen Sektor. Wenn man den Text der Proplanta liest vom 04.05.2011 „Deutsches Geflügel: Nachhaltig gut! – Kampagne wird erweitert„, dann muss man sich fragen wie das ganze mit der Realität aussieht. Werbung, Marketing vs. Realität.

Denn in der Realiät schaut es folgendermassen aus: „Massiver Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast“. Auch diese Meldungen sind mit Vorsicht zu geniessen – entspricht sie tatsächlich der Realität? Der Verbraucher kann keines von beiden überprüfen.
Deutsche Hähnchen antibiotikaverseucht (Focus)
Die meisten Hähnchen bekommen Antibiotika (Spiegel)

Dazu heisst es in erner AFP-Meldung: Die Geflügelwirtschaft wies den Vorwurf des Einsatzes von Antibiotika als Wachstumsdoping zurück. „Das ist eine Unterstellung und schlicht nicht wahr“, erklärte der Geschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), Thomas Janning. Antibiotika würden in der deutschen Geflügelhaltung ausschließlich im konkreten Krankheitsfall und nur auf Anordnung eines Veterinärs verabreicht.
weiterlesen (NDR: Massiver Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast)

Die ZGD schreibt … warum Geflügelfleisch aus Deutschland darüber hinaus zu einer nachhaltigen Lebensweise passt und machen Sie sich selbst ein Bild von den hohen Erzeugungsstandards.

Nachhaltige Lebensweise ist korrekt formuliert, denn nachhaltig könnte auch bedeuten: Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, bedrohen die Gesundheit von Millionen. Zu den Brutstätten zählen Kliniken – und die Tierhaltung mit ihrem hohen Antibiotika-Einsatz. Jetzt warnen Experten: Die Gefahr könnte noch viel größer sein als bisher gedacht. … weiterlesen (Resistente Superkeime erobern die Umwelt, spiegel-online.de)

Da ich selbst in der Werbung und Marketing arbeite, möchte ich darauf hinweisen, dass es ausschliesslich um Absatzmärkte und Profit geht. Die Medien sind die Schaltstelle, denn sie profitieren von den Werbeanzeigen, die eben die aufbereitete andere Realität vorgaukeln. Genau genommen, muss man die komplette Medienlandschaft hinterfragen – heute die Meldung wie gesund alles ist, zwei Tage später das Gegenteil.

Andrerseits glaubt der Verbraucher meist unbedenklich alles, was ihm als Marketingmassnahme vorgesetzt wird, Gesund, artgerechte Haltung … zum anderen steigt der Verbrauch, dann ist eine artgerechte Hühnerhaltung schlicht unmöglich. Kein Bauer kann mit Freilandhaltung die Masse erzeugen die für den Markt benötigt wird. Das gesundeste Huhn ist das was nicht gegessen wird, vielleicht auch das glücklichste. ;-)

Es gibt eine interessante Doku: Ware Tier – die suche nach dem glückliche Huhn /stream bei veoh.com

Fazit: Nur weil etwas irgendwo steht, muss es nicht objektiv  und wahr sein – überall wo es etwas zu verdienen gibt wird gelogen und die Wahrheit so angepasst damit die Umsätze stimmen. Also überall!

 

Teure Werbung?

Wieder ein grösseres Marketing-, IT- und Werbeprojekt abgeschlossen. Man könnte meinen die Werbeagenturen haben meinen Bericht „Die Werbefuzzies“ ganz genau gelesen. Denn genauso verhielten sie sich. Diesmal war es eine Werbeagentur mit einem wohlklingenden Doppelnahmen aus dem Raum Zürich.
  
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Wenn schon das Dollarzeichen in den Augen der Werbedesigner leuchtet, dann wird es sehr teuer.

Die beste Taktik, erstmal sich dumm stellen und die schwarz gekleideten Designer zu Wort kommen lassen – es folgt dann eine wunderbare Märchenstunde, um die hohen Kosten der Werbeproduktionen zu schönen. Hört sich im ersten Moment auch alles sehr wichtig an, besonders wenn man auf dem Gebiet von Werbeproduktionen kein Fachwissen besitzt. Sehr dreist fand ich doch, dass nach dem abgeschlossenen Auftrag, zum Beispiel eine PDF-Generierung für ein aktualisiertes Dokument, das mit InDesign erstellt wurde, satte 90.- CHF verlangt wird und eine bezahlte Dienstleistung auf CD gebrannt 120.- CHF. Spannend auch die Erklärung dieser Kosten. Hätte ich keine Ahnung von der Materie – ich würde alles glauben wie viel Arbeitsaufwand für eine Generierung eines PDF aus einem InDesign-Dokument drinnen steckt.

Peinlich war es den Art Directoren der Werbeagentur dann doch, als ich ihre Kostenstruktur nochmals im Klartext vortrug und einige der Aufwendungen als grosse Luftblase entlarvte. Auch ein CMS muss nicht neu erfunden bzw. neu programmiert werden, hier geht es in erster Linie um Anpassungsarbeiten. Einen grösseren Lapsus erlaubten sie sich aber in der Kostenberechnung der SQL_Datenbanken. Diese Arbeit benötigt maximal 1 Stunde (ich persönlich hätte es in 30 Minuten fertig), berechneten sie gleich 17 Stunden Programmierarbeit. Versuchen kann man es ja mal.

Das einzige und letzte Argument der Profi-Designer war eine andere Werbeagentur zu beauftragen, mit dem Hinweis „Diese wäre dann noch teuerer und wenn die Agentur günstiger ist liefert sie schlechte Qualität, denn nur sie hätten das professionelle Angebot und das kostet eben“.
„Kein Problem, dann suche ich einen anderen Anbieter“ war meine Antwort. Schliesslich reichten sie eine Woche später freiwillig eine bereinigte Kostenkalkulation ein, gleiches Leistungsangebot, aber moderate Kosten. „Ein Fehler eines Mitarbeiters bei der Kalkulation des Auftrages“, so der Geschäftsführer der Werbeagentur. Ich glaube es ihm einfach mal. ;-)

Nun spart die Firma immerhin 36% ihres Werbebudget ein und die Klauseln bezüglich der Bildrechte sind klarer definiert. Ansonsten hätte der Kunde jedes Jahr neue überteuerte Lizenzrechte erwerben müssen. Das CMS muss nicht neu erfunden werden und die Datenbankkosten sind korrekt berechnet. Durch meine Überprüfung der Druckkosten war auch der grosszügige Aufschlag der Werbeagentur nicht mehr in diesen Posten mit eingerechnet. Das Werbebudget ist nicht gerade klein, es beinhaltet zwei grosse 24-seitige Firmenbroschüren in 6 Sprachen, Geschäftspapiere, Internetauftritt, Plakate und Anzeigen. Die Werbeagentur verdient immer noch sehr gut an diesem Auftrag.

Im IT-Bereich waren es für die Hard- und Software nochmals 26% und die Firma musste auf nichts verzichten bezüglich Funktionalität, Qualität und Wertigkeit. Dafür haben sie jetzt eine optimale IT-Infrastruktur. Nicht das ich bei den IT-Kosten einen guten Rabatt heraus gehandelt habe, sondern ich suchte nach optimalen Lösungen für die Firma mit der sie auch zukünftige Geschäftsentwicklungen abgedeckt hat. Feststellen musste ich auch, das externe Anbieter die eine langjährige Firmenbeziehungen haben, ihre Kostenstruktur stetig und unauffällig anheben. Der Kunde zahlt pro Jahr manchmal 10 – 15% mehr als marktüblich. Vertrauen zahlt sich hier nicht aus, sondern man muss jeweils jährlich die erweiterten Kosten der Lieferanten überwachen.

Im Prinzip funktioniert es wie bei der Kunst. Je teuerer etwas ist, desto mehr Qualität und Exklusivität wird dahinter vermutet. Nun ist es so, dass im Bereich ab fünfstelligen Verkaufspreisen der Galerist zwischen 50 – 80% bekommt. Das ist zum Teil gerechtfertigt, denn er muss erstmal in den Künstler investieren und aufbauen – ob es nun deswegen gute Kunst wird ist eine ganz andere Sache. Teuer ist sie dann allemal. Man soll nicht vergessen, der Kunstmarkt ist ein Markt wie jeder andere und Spekulation gehört genauso dazu, wie beim Erdöl. Spekulativ und aufgebläht erscheinen mir auch manchmal die Preise der grossen Werbeagenturen.

Zur Ehrenrettung der Werbeagenturen
Es gibt auch die korrekten und kompetenten Werbeagenturen, nette Art-Directoren, Grafiker, Layouter und IT-Experten. Auch diese habe ich kennengelernt. Doch je grösser das Unternehmen (ab 1.000 Mitarbeiter) desto wahrscheinlicher der obige Bericht. Das liegt oftmals auch an der schlechten Kommunikation im Unternehmen und zum anderen kein Fachwissen über die Prozesse einer Werbeagentur. Meine Erfahrung – studierte Marketingmanager geben in der Regel das Budget mit vollen Händen aus, weil man ihnen fast jedes Märchen erzählen kann. Optimal für die Agenturen – ein überteuerter Spass für das Unternehmen.

Unerwartet freundliche Worte
Ein besonderes Kompliment bekam ich am Freitag (29.8.08) vom Verwaltungsratspräsidenten, besonders wenn man dies absolut nicht erwartet. Ich hatte immer das Gefühl, er hat ein Problem mit mir, wusste aber nie welches Problem er mit mir hatte.
O-Ton Verwaltungsratspräsident: „Ich war sehr skeptisch und ablehnend als sie bei uns für IT-, Marketing und Werbung als Projektleiter vorgeschlagen wurden. Sie hatten kein Studium der geforderten Fachgebiete, nun nach Abschluss des Projektes bin ich eines besseren belehrt geworden. Sie haben ihre Aufgaben mehr als 100% erfüllt und habe dabei einen sehr interessanten und kreativen Menschen kennengelernt. Ich bin mehr als erstaunt, dass sie als nicht studierte Führungskraft die Aufgaben mit soviel Humor, unendlichen Fachwissen und mit einem Spitzenergebnis umgesetzt haben. Ich möchte mich im Namen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung für ihre überdurchschnittliche Arbeit die sie jetzt erfolgreich abgeschlossen haben, ganz herzlich bedanken“.

Damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet, aber gefreut hatte es mich sehr. :-)