Info über die Ausstellung bei Casa Mobile in Konstanz

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Gestern war die Vernissage bei Casa Mobile. Als Service habe ich den Vortrag über „Geometrie in meinen Arbeiten“ und die Preisliste als PDF hinterlegt.

„Geometrie in meinen Arbeiten“ (PDF 580kb)

Warum heisst es Vernissage? Die Erklärung habe ich bei Wikipedia gefunden.

Unter dem aus dem Französischen entlehnten Begriff Vernissage versteht man die feierliche Eröffnung einer Kunstausstellung.

Das Wort Vernissage stammt vom französischen le vernis, „der Firnis“, „der Lack“. Ursprünglich firnissten die Künstler an einem solchen Anlass ihre Bilder und gaben ihnen damit den letzten Schliff. Das Lackieren bzw. Aufbringen des Firnisses als Abschlussarbeit vor einer Ausstellung bezeichnet man daher als Vernissage. Dies bot zumeist Gelegenheit, das Ende der Arbeit an einem Bild – oder einer Bilderserie – mit einem kleinen Fest zusammen mit Freunden oder den Auftraggebern zu würdigen.

Documenta XII kontra Documenta XIII

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Für die Documenta gab es Vorschusslorbeeren ohne Ende. Jede Menge so-genannter Kritiker, die alles inhalierten, was Documenta-Leiter Roger M. Buergel aushaucht, zu seinen Vorträgen ehrfurchtsvoll ankrochen und seine Worthülsen empfingen wie Moses die zehn Gebote. Ein paar Infos ausgespuckt und alles wird dann hochstilisiert durch die Medien zum absoluten Kunstereignis. Eunuchen an die Macht, den sie wissen wie es geht! Die Realität ist dafür umso nüchterner. Was wie durchdachte geistige Kunstspielerei aussah, entpuppte sich als leeres Kunstgebäude inhaltlich gefüllt mit tiefster Hohlheit.

Mittlerweile habe ich einige Dokumentationen über die Documenta in Kassel gesehen. Die Aussagen der Künstler haben mich, gelinde gesagt unangenehm überrascht. Ich bekomme das Gefühl nicht los, dass Banalitäten immer mehr zu Ruhm kommen. Wie die zwei Chinesen, die ein Schild hochhalten mit einem Spruch wie „Deutschland ist kein schönes Land“.

Oder die documenta-Künstlerin Lotty Rosenfeld ist «entsetzt» über die Zerstörung eines ihrer Kunstwerke. «Ich bin persönlich wirklich verletzt. Es ist ein Akt der Gewalt und ich fühle mich missachtet». Einen Tag zuvor waren die weissen Aufkleber, mit der sie Fahrbahnmarkierungen in Kreuze verwandelt hatte, von der Kasseler Stadtreinigung entfernt worden. Aber vielleicht hätte es ohne Stadtreinigung keiner mitbekommen, gut das sie so gründlich waren – jetzt kann man sich wenigsten ins Rampenlicht bringen und den berühmten moralischen Zeigefinger hochhalten – „ein Kunstwerk wurde zerstört“.

Deshalb hatte ich auch eine Zeitlang das Problem mich als Künstler zu bezeichen. Denn wer nicht in die Psychiatrische Anstalt eingeliefert werden möchte, muss betonen das er Künstler ist. Dann kann man auch bedenkenlos mit seinen Exkrementen malen und oder wie der chilenische Künstler Marco Evaristti, Fleischbällchen im abgesaugten Körperfett anbraten und einen Bericht in der NZZ bekommen.
Die Künstler waren schon immer Vorreiter unserer Gesellschaft und ich merke mit erschrecken das dies stimmt. Mittlerweile interessiert mich der Kunstmarkt, die Künstler, die Gesellschaft – deren Verknüpfung mit der Welt und dessen Eigendynamik mehr als die Malerei. Ich habe immer mehr Lust über die Künstler Kunst zu machen, denn der Künstler jenseits von selbstkritischen Grenzen sind heute das Kunstwerk mit dem man sich auseinandersetzen muss.

Ist das nicht alles bedenklich? Oder ist das der fortgeschrittene Weg einer Gesellschaft in die Dekadenz und der Untergang der Hochkultur. Andere sind ja auch ausgestorben, ich denke nicht, das man das der Kunst alleine ankreiden kann. Fehlt mittlerweile sogar der kleinste Funken Selbstkritik? Die Kunst hat es vor Jahren aufgezeigt und heute zeigen uns die Manager und Politiker wohin der Weg ohne Selbstkritik führt. Doch die Kunst ist schon wieder ein Stück voraus.

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Als Gegenprojekt habe ich die Documenta XIII in Mannenbach ins Leben gerufen. Zu sehen unter: www.euregio-bodensee.ch/news/documenta-xiii-mannenbach.html.

Das ist der Vortest für die grosse Documenta – das nächstes Mal sollte man die gesamte Schweiz als Kunstprojekt einbeziehen. Bitte nicht falsch verstehen, Kunst ist ja mittlerweile überall und da die Schweiz noch Grenzen besitzt kann man dort das Kassenhäuschen einrichten – fürs banale Eintrittsgeld.

Die neue Kunstgrenze in Heiligendamm – eine andere Betrachtung

Jeder kennt den Zaun um Heiligendamm, da dachte ich mir, die Kunstgrenze in Konstanz habe ich schon von verschiedenen Seiten beleuchtet, ob da nicht irgendwelche Parallelen zu Heiligendamm sind. Dabei ist mir folgendes auf- und eingefallen.

Es scheint das Beispiel Konstanzer Kunstgrenze regt andere Künstlern zu neuen Ideen an. Die Bundesregierung betätigt sich nun als Künstler und schafft eine Konkurrenz zur Kunstgrenze in Konstanz.
Nur das die Kunstgrenze auf deutschen Boden steht, sie will aufzeigen wie die Machtverhältnisse von Politik und Bürger verteilt sind. „Mit Tarot haben wir nichts zu tun“, so ein Sprecher der Bundesregierung. Sie kostete schlappe 12,5 Mio. Euro. Die Bundesregierung will die Kunstgrenze als ein temporäres Kunst-Event verstehen.

Zwei Unterschiede weisen die beiden Kunstgrenzen auf. In Konstanz wurde die Kunstgrenze über eine Stiftung finanziert, sie wurde der Stadt Konstanz und Kreuzlingen geschenkt, es gab ein kleines Fest und (fast) keine kritische Stimme bzw. Auseinandersetzung. Die Kunstgrenze der Bundesregierung wird aus Steuergeldern finanziert, hat aber einen kritischen Prozess in unserer Gesellschaft ausgelöst. Sicherlich haben die gezielte Werbung in den Medien und die im Vorfeld gestarteten Performance Events dazu beigetragen. Mühselig zu fragen welcher künstlerische Prozess mehr bewirkt.

Der 2,50 Meter hohe Kunstgrenze aus Stahlgittern und Beton ist mit Stacheldraht umwickelt und mit Kameras sowie Bewegungsmeldern ausgerüstet. Bestandteil der Kunstgrenze ist auch ein 50 Zentimeter in die Tiefe reichender so genannter Unterkriechschutz.

Das Kunstwerk
Beachtenswert ist die geometrische Linienführung der Kunstgrenze, das Gewässer ist in das Konzept mit einbezogen. Somit entsteht ein eigener Raum, ein innen und aussen. Der Stacheldraht als Symbol von Mahnung und schmerzhaften Übertretungen. Dieser ist wie eine Krone auf das Haupt der Kunstgrenze gesetzt und winkt mit einer offenen Kommunikation vom Politiker zum Bürger. Das filigran gesetzte Metallgitter scheint Durchlässigkeit und Transparenz aufzuzeigen. Es schwebt scheinbar über den Grund. Sie signalisiert Offenheit, „wir wollen einen Dialog“ und zum anderen zeigt sie die absolute Grenze – komm uns nicht zu nahe. Hier wird ein Spannungsfeld aufgezeigt, der auch Raum für neue Interpretationen lässt.

Sind es Gefangene oder Ausgestossene die sich innerhalb der Kunstgrenze befinden oder entspricht es einen Zoo, so wie es in Berlin gerade mit Knut passiert? Wer ist hier eingesperrt oder wird hier ein ganzes Volk ausgesperrt? Der Unterkriechschutz symbolisiert – hier kommt nichts von unten, der Basis. Es zeigt eine distanzierte Sichtweise – der obere Teil des Kunstwerkes steht frei im Raum und das verborgene ist im Untergrund verankert, man könnte fast sagen das erdige Mutterhafte wird nicht sichtbar gemacht. Damit der Event eine eigene Dynamik bekommt, werden zusätzlich angeheuerte Performance-Künstler als Polizisten verkleidet an der Kunstgrenze patrolieren. Ein wahrlich politisches Kunstwerk.

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Leider kann man die Kunstgrenze nur aus 200 Meter Abstand besichtigen. Sicherheitskräfte begründen es „man wolle das Kunstwerk schützen“, nicht das die Transparenz missverstanden werden könnte.

Der Event endet am 9. Juni, mittlerweile sind schon über 40 Begleitveranstaltungen angemeldet und es werden sicherlich noch mehr. Um das Spannungsfeld zur Kunstgrenze und diversen Performance-Shows zu steigern hat sich die Bundesregierung im Vorfeld schon interessante Aktionen einfallen lassen. Wir sind gespannt auf den Vernissagen und der Einweihung der neuen innerdeutschen Kunstgrenze. Ach ja, ein Name wurde auch schon gefunden „Scheinheiligendamm“.

Zumindest auch eine Grenze – die Kunstgrenze

Betrachtung des demokratischen Prozesses in der Kultur – die Kunstgrenze.

Um es gleich vorweg zu sagen, die Kunstgrenze ist nur ein Beispiel von unendlich vielen Beispielen aus dem Kulturbetrieb. Es ist ein normales Procedere. Wir leben in einem Zeitalter in der soziale Errungenschaften abgebaut und Maximalprofite eingefordert werden. Das Recht des Stärkeren, das heisst der am meisten Kapital verfügt hat „das sagen“, ist keine neue Erscheinung. Man könnte denken das in einem demokratischen Kulturbetrieb diese archaischen Wurzeln überwunden werden können.
Nun offenbart sich im Entstehungsprozess der Kunstgrenze, das sie analog zu unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung „Die Macht des Stärkeren“ steht. Hier wird klar eine demokratische Entscheidungsfindung untergraben. Die Dörflinger-Stiftung hat nur am Rande mit dem Werk des Künstlers zu tun, sie war eine Notwendigkeit im wirtschaftlichen Prozess. In Zeiten leerer Kassen der Städte wird angeboten, dass die Kunstgrenze über die Dörflinger-Stiftung finanziert wird. Wer wird hier nein sagen? In der Wirtschaft ist das fast vergleichbar mit einer feindlichen Übernahme. Der Künstler, der nicht über ein solides finanzielles Fundament verfügt, hat keine Chance in dieser Entscheidung mitzuwirken. Das ist reiner Kapitalismus ohne Moralanspruch. Positiv wäre es gewesen, die Dörflinger-Stiftung hätte sich finanziell beteiligt, wenn die Entscheidungsfindung zum Beispiel über einen Kunstwettbewerb ausgerufen worden wäre. Eine neutrale Kunststiftung ist sicher besser – man will ja nicht den Bock zum Gärtner machen. Aber seien wir doch ehrlich, warum sollte der Kulturbetrieb anders sein als wie unsere Wirtschaft funktioniert – es ist schliesslich auch ein Markt
(Dieses Thema wurde schon abgehandelt – Vortrag von 2001 „Die Ware Kunst“).

Das Tarot und das Paradoxon
Zum anderen repräsentiert die Kunstgrenze das TAROT. Man möchte meinen, diese sphärische Betrachtungsweise des Lebens ist soweit vom Kapitalismus entfernt wie das Feuer vom Wasser.
Die Widersprüchlichkeit irritiert schon ein wenig. Da Dörflinger immer den Anschein erwecken will, er habe mit den materiellen Dingen nichts zu tun. Das ist genau diese Täuschung die in unserer kritiklosen Zeit so perfekt funktioniert. Reden und Handeln sind zwei verschiedene Dinge und der Mensch glaubt den Worten mehr als den Taten. Könnte es sein, das die Kunstgrenze eine perfekte Inszenierung von hochphilosophischen Gebärden mit strategisch klarer wirtschaftlicher und egozentrischen Machtgehabe ist?

Repräsentiert nicht im Tarot die Karte „Macht“ als egoistischer Ausprägung – Erstarrung. Zeigt sich eventuell diese Ausprägung in den Skulpturen? Wer wäre nicht gerne der Magier, der Narr der spielerisch in der Welt ist? Hier scheint es sich nur um eine Inszenierung des Ego zu handeln. Ist es hier nur vordergründig die Maske des Anspruchs und dahinter verbirgt sich klares Kalkül und streben nach Unsterblichkeit. Das ist an und für sich nicht einmal verwerflich. Aber bitte dann mit offenen Karten. Die Unsterblichkeit so wissen wir, gibt es auch nur temporär – nichts ist ewig. Nun ist sie da – die Kunstgrenze als Grenzerfahrung. Oder wird hier eine Kunstgrenze überschritten oder ist es etwa Grenzkunst? Naja, das Tarot muss hier neu interpretiert werden. Eventuell habe ich da etwas übersehen. Nur was?

Nestbeschmutzer?
Manch einer denkt sicher, als Künstler darf man nicht so über einen Kollegen reden. Deshalb möchte ich betonen – das es mir um das ganze Kunstspektakel geht – und das andere Künstler aussen vor bleiben. Nicht das ich selbst ein Heiliger wäre, wer ist das schon – aber ein Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebes schadet ja nicht. Zudem war ich wirklich verblüfft das es absolut keine Kritik gab oder habe ich die übersehen? Vor 10 Jahren wäre noch ein Aufschrei durch das Künstlervolk gegangen, heute scheint jeder mit sich beschäftigt zu sein.
Mein Vorschlag wäre nur 2 Skulpturen hinzustellen von Dörflinger und den Rest von anderen Künstlern gestalten zu lassen zum Thema „Tarot“. Das wäre doch absolut demokratisch und würde dem heutigen Zeitgeist widersprechen. Vielfalt statt Monokultur